Zwischen Planung und Improvisation balancieren (selbstmotiviert lernen – 6)

Mein Projekt für 2014:

Mein Ziel: Balance

Die Dauer-Überforderung möchte ich vermeiden
und mein Leben und Arbeiten genießen, in dem ich mich

  • von der Vorstellung der Kontrollierbarkeit
  • vom Perfektionismus

verabschiede und

  • auch improvisiere
  • und meinen Traum mit Leidenschaft verfolge.

Selbstverständlich ist es sinnvoll, zu planen!

In komplexem Alltag mit vielfältigen Zielen, Kontakten und Verabredungen ist es selbstverständlich sinnvoll, die wichtigen Richtungen mit entsprechender Aufmerksamkeit zu verfolgen und nachdrücklich anzustreben.

Planvolles Vorgehen führt nach meiner Erfahrung häufig zum Erfolg. –
Das gilt besonders für Konferenzen.

Besonders hilfreich sind mir in diesem Zusammenhang die Gedanken zum sogenannten „Pareto-Prinzip“, nämlich jene 20 % der Tätigkeiten zu finden, die 80 % Ertrag erbringen.

Immer häufiger reicht gute Planung nicht mehr aus.

Wie immer mehr Menschen fand ich heraus, dass Planung alleine oft nicht mehr hinreicht:

  • wechselseitigen Abhängigkeiten sind zu komplex
  • die Geschwindigkeit der Informationen und Veränderungen sind zu hoch geworden

Mein aktueller Lösungsversuch:
Balance zwischen den Polen Planung und Improvisation

Balance-Versuch von M. Veeser-Dombrowski.

Ich versuche einen pendelnden und balancierenden Weg zwischen gepflegtem und realistischem Anspruch und phasenweisem Pragmatismus mit geübten Improvisationen.

So denke ich mir das:

  1. Ich lege meine Ziele und die hauptsächlichen Wege dahin fest und plane Schritte dahin. (Mehr dazu im Start-Artikel zu dieser Themen-Reihe)
  2. Ich verfolge diese Ziele mit überzeugter Konsequenz – lieber noch aus Leidenschaft.
  3. Wenn die Planungen nicht mehr hinreichen, entscheide ich mich zur pragmatischen Begrenzung meiner Anstrengungen und zum bewussten Improvisieren. Ich riskiere und experimentiere, statt im alten, untauglichen Muster des „Immer-Mehr-Vom-Selben“ und im Kontroll-Wahn zu verharren und mich dauerhaft zu überfordern.
    Dazu empfehle ich auch den Text von Jochen Mai zur Improvisation als Schlüssel zum Erfolg.

Ergänzende Überlegungen von einer modernen Führungs-Theorie sehen die Widersprüche in der Welt. Einfache Planungs- und Management-Systeme reichen nicht mehr hin. Führung wird als Balance-Akt beschrieben.

Ich vertraue auf meine Fähigkeiten

Je ungeübter und neu jemand in einem Arbeitsfeld ist, umso eher wird sich diese Person mit gründlicher Planung abzusichern suchen.

Mit wachsender Erfahrung gewinne ich auch mehr Mut, weil ich diese immer wieder auswerte und damit verdichtet habe.

Ich übe weiter an meiner Gelassenheit.

Wenn ich in komplexen Lebens- und Arbeitszusammenhängen eh immer häufiger den Kontrollverlust erlebe, kann ich auch zunehmend üben, gelassen zu reagieren und die Situation mutig improvisierend zu gestalten.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 23.02.2014 / 18:08 Uhr       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Wozu helfen Blogs im Unterricht? (Profession Lehrkraft – 15)

Zusammenfassung

Blogs sind inzwischen recht einfach zu erstellen und können den Unterricht vielfältig unterstützen:

  • als Link-Katalog
  • als Quelle für Arbeitsblätter und Beschreibungen von Unterrichtsmethoden
  • als Unterrichts-Protokoll
  • und mehr: z.B. Reflexionsebene, Diskussionsforum, Portfolio

Ich mache Mut zur Erkundung und zum Experiment.

Einen Blog zu starten ist inzwischen recht einfach. – Ich ermutige zu Experimenten.

Inzwischen ist es nicht mehr schwer, einen „Blog aufzusetzen“, wie die Blogger sagen, also einen Blog einzurichten.

Ich habe mehrjährige, gute Erfahrungen mit der Bloggersoftware WordPress.com und kann dieses Paket empfehlen.

Man muss dafür auch nicht unbedingt bezahlen. Ich rate sogar dazu, zuerst einmal eine kostenfreie Variante zu erproben. Wer weiß, ob sich die Methode als passend und hilfreich erweist und Sie Freude am Bloggen und am Einbinden in den Unterricht entwickeln.
Wenn nicht: Ein Blog kann auch wieder gelöscht werden.

Selbst habe ich mich vor vielen Jahren für einen Blog mit eigenem Namen entschieden. Dafür wird dann eine jährliche „Miete“ für den Namen und den Speicherplatz auf einem Server fällig. Ich empfehle dafür die Firma Host Europe. (Bei Abschluss eines Vertrages haben sowohl Sie wie auch ich etwas davon. Danke.)

Lassen Sie sich auf eine Experiment und einige Versuche ein.
Ich habe Freude entwickelt und bekomme positive Rückmeldungen zu meinem, inzwischen großen Blog-Projekt.

Blog als Link-Katalog

Jahrelang sammle ich schon für den Unterricht interessante Links auf einer eigenen Blogseite mit dem Titel Material zum Unterricht.

Dadurch bin ich sehr flexibel und kann im Unterrichtsgeschehen direkt auf Fragen oder Interessenlagen der Schülerinnen und Schüler reagieren und biete immer mal wieder etwas mediale Abwechslung.

Außerdem hilft mir diese Seite, Ordnung auf meinem Schreibtisch zu halten:

  • Was sich bewährt hat, wird in die Linksammlung aufgenommen.
  • Andere, weniger hilfreiche Quellen/Links kann ich wieder vergessen oder auch wieder aus der Link-Liste löschen.

Blog als Quelle für Arbeitsblätter und -methoden

Auch Routinen im Unterricht können als Arbeitsblätter hinterlegt werden. Beispielsweise

  • Welche Regeln gelten bei Ihnen bei der Notengebung?
  • Was erwarten Sie für eine GfS?
  • Wie kann ich erfolgreich lernen?

Blog als Unterrichts-Protokoll: Plakat-Wand

Angeregt durch die MOOC-gestützte Fortbildung OpenReli2013 im Herbst und die Jahrestagung für die Religionslehrer/innen der beruflichen Schulen in Rastatt habe ich mich zu einem Unterrichtsprojekt zu großen Fragen entschlossen.

Die Ergebnisse der beiden Unterrichtsreihen veröffentliche ich – zur Freude der Schülerinnen und Schüler – in einem eigenen Blog zu den großen Fragen:

Ausblick

Weiter kann ich mir vorstellen,

  • Die Schülerinnen und Schüler zur Formulierung ihrer Reflexionen anzuregen
  • Blogs von Schülerinnen und Schülern als Lerntagebücher verfassen zu lassen
  • Diskussionen über Blog-Kommentare zu fördern

Update 2.04.2016: Datenschutz beachten!

Inzwischen habe ich an einem Punkt wesentlich dazu gelernt: Für die Daten der Schülerinnen und Schüler bedarf es einer sehr sorgfältigen Handhabung, um die hohen Ansprüche der Datenschutz-Bestimmungen zu erfüllen.

Für mich heißt dies, dass ich keine persönlichen Email-Adressen, schon gar keine Links zu Websites, Sozial-Media-Kanälen und auch keine Gravatare der Schüler mehr akzeptiere, sondern – um die Anonymität im Netz zu wahren – auf der Nutzung von Wegwerf-Email-Adressen (z.B. mailinator.com) beharre.

So gewährleiste ich, dass auch später keine Zuordnung außerhalb der Klasse zu den einzelnen Autorinnen und Autoren möglich wird.

Bereits erstelle Kommentare habe ich mühsam nachträglich bereinigt.
Wer sich diese Gedanken vor dem Auftrag an die Klassen gemacht hat, erspart sich einige Mühe in der Nacharbeit.

Herzlichen Dank an Kolleginnen und Kollegen für Anregungen

Vielen Dank an dieser Stelle an Gunnar Thörmer, der mich vor Jahren in die WordPress-Software eingeführt hat und mir immer wieder Tipps und Links zu interessanten Themen sendet.

Herzlichen Dank auch

  • an das Team von OpenReli2013
  • an die Workshop-Leiter der Jahrestagung in Rastatt 2013

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zuletzt bearbeitet/ergänzt am 23.10.2021 / 15:19 Uhr       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

sich online kollaborativ fortbilden (#OpenReli – 2)

Zusammenfassung

Eine Reflexion des religionspädagogischen MOOCs zum Thema Mensch-Werden:

  • Fortbildung nebenbei: bei laufendem Unterrichtsbetrieb
  • Online-Veranstaltungen und Lehrvideos zum Selbststudium
  • Wochenaufgaben, Einladungen zu Vernetzungen und Entwicklung von allen zugänglichem Material für Schule und Erwachsenenbildung (OER)
  • Habe viel gelernt. – Vielen Dank!

Parallel zum Alltag: stark beschränkte Möglichkeiten

Der Alltagsablauf im Herbst lässt wenig Freiheiten und Spielräume.

Weil ich aber schon jahrelang die kollegiale Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern bei der Entwicklung und Verfeinerung von Unterrichtsentwürfen und -materialien fordere und fördere, wollte ich andererseits diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Für einen Familienmenschen waren die Live-Übertragungen überwiegend zu ungünstigen Zeiten, weil genau in den Familienzeit terminiert.

MOOC OpenReli: Online-Zeiten und viele Möglichkeiten und Anregungen zum Selbststudium

openreli

Das Format MOOC habe ich hier zum ersten Male selbst erprobt und ich erhoffte mir neue Lern-Erfahrungen, Kontakte zu engagierten Religionspädagog/innen und Anregungen für neue Denk- und Reflexions-Richtungen.

Besonders hilfreich waren

  • die bereitgestellten Anleitungen und Hilfestellungen auf der Leitseite des Projektes
  • die fehlerfreundliche und experimentelle Kultur des Veranstalter/innen-Teams
  • die Aufnahmen der Veranstaltungen zum Nacharbeiten und auch zum mehrmaligen Anschauen, wenn ich etwas nicht auf den ersten Zugang verstanden hatte – zeitlich unabhängig
  • die Bereitschaft der Kolleg/innen und der Referenten, ihre Entwürfe und Gedanken auszutauschen – auch Halbfertig-Entwürfe zu zeigen und der Diskussion auszusetzen.
    Besonders dieser Umstand hat mich bei dieser Fortbildung beeindruckt und widerspricht meiner bisherigen Erfahrung: Häufig wird nämlich „gemauert“ und die Unterrichtsentwürfe werden nicht so gerne ausgetauscht; es könnte ja ein Fehler oder eine Unzulänglichkeit offenbar werden.
    Manchmal haben Kolleg/innen aber auch gar keine verschriftlichten Unterrichts-Skizzen, sondern sammeln Arbeitsblätter, interessante Links oder Einstiegs-Methoden. Das ist dann schwer zu vermitteln oder zu teilen.
    Im Kontext von OER-begeisterten Kolleginnen und Kollegen scheint dies anders zu sen. – Hier hoffe ich auch auf weitere Erträge, z.B. im Rahmen des Projekts digitales-religionsbuch.de

Mein Eindruck von meinem Lernzugewinn

  1. Die Reflexion mit dem Blick auf die Kompetenz-Zugewinne der Schülerinnen und Schüler war mir nicht fremd. Der ausdrücklich kompetenzorientiert formulierte Ansatz bietet mir einen theoretischen Rahmen und unterstützt meinen Fokus nochmals.
    In der Folge formuliere ich angezielte Kompetenz ausdrücklicher in meine Unterrichtsskizzen und beginne, den für mich im kompetenzorientierten Ansatz enthaltenen Perspektiven-Wechsel und die daraus erwachsende Kritik an „gewohnten Unterrichts-Inhalten“ in der Praxis zu erproben und zu reflektieren.
  2. Angeregt aus diesem Fortbildungsimpuls habe ich mich mit technischen Aspekten von MOOC, Hangout und twitter mehr beschäftigt und mir eine Testphase von einem halben Jahr für die Integration in meinen methodischen Baukasten vorgenommen.
    Meine ersten Eindrücke – insbesondere von twitter – sind für mich positiv und lustvoll: Ich habe schon viele gute Ideen aus twitter gewonnen.
  3. Die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe BBS (Lehrer/innen aus den beruflichen Schulen aus mehreren deutschen Bundesländern, Tirol und Österreich) hat viel Freude gemacht (in den online-Konferenzen, in der irp-Gruppe und über die Blog-Seiten) und hat viel und angenehm angeregt.

Konkrete Erträge für meine Unterrichtspraxis

Mein Erfolgskriterium für diese Fortbildung war,  drei Anregungen für meine praktische Arbeit im Religionsunterricht in beruflichen Schulen zu gewinnen, möglichst mit sofort einsetzbarem Unterrichts-Material und über vorhandene Unterrichtsideen zu reflektieren.

Tatsächlich habe ich alle Kriterien erreicht:

  1. Konkret habe ich viele Einzel-Methoden kennen gelernt (oder wurde wieder daran erinnert). Zum Beispiel
    > einen Video-Ausschnitt zum Thema „Fußball-Gott“ – besonders passend zu meiner Adressatengruppe
    > Zugänge oder erste Eindrücke graphisch darstellen zu lassen oder auch zu malen (habe ich früher schon mal angeboten, offensichtlich aber wieder vergessen)
  2. In der Arbeitsgruppe hatten wir eine mehrere Schulstunden umfassende Unterrichtsreihe zur großen Frage nach dem Sinn des Lebens und der Frage nach der Bedeutung des Weihnachtsfestes entwickelt und tolles Material dazu gesammelt. – Eine Aneignung für meinen Unterricht werde ich in diesem Advent in mehreren Klassen erproben.
  3. twitter und online-Dokumente habe ich als eine Möglichkeit des backchannels kennen gelernt – und auch das werde ich (im Unterricht und bei der nächsten Fortbildung) erproben.

Herzlichen Dank an die Initiatoren und alle Beteiligten für ihr Engagement und die vielen Anregungen

Ich weiß, dass hinter einer solchen Veranstaltung eine Menge Arbeit steckt und dass es einer eigenen Mühe bedarf, seine Ideen, Bemerkungen und Materialien für andere verständlich aufzubereiten.

Für beides bin ich dankbar und freue mich auf die „Risiken und Nebenwirkungen“.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 25.11.2013 / 18:22 Uhr      zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht
Creative Commons Lizenzvertrag
Auswertung des MOOC MenschWerden von M. Veeser-Dombrowski ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

guter Unterricht (Profession Lehrkraft – 13)

Kurzfassung

Wann wird ein Unterricht gelingen?
Wann werden Kompetenzen gefördert und die wesentlichen Grundkenntnisse vermittelt?

In der zweiten Woche des Online-Kurses OpenReli haben die Teilnehmenden die Aufgabe, Kriterien für guten Unterricht zu formulieren.

Eine sehr grundsätzliche und große Frage

In meiner Antwort stelle ich zuerst meine grundsätzliche Vorstellung von Unterricht vor und leite dann Kriterien für das Gelingen daraus ab.

Meine Vorstellung von gutem Unterricht in einer Mindmap

Ein Klick auf das Bild sollte eine größere und besser lesbare Version ergeben.

2013_10_guter_Unterricht

Daraus abgeleitete zwölf Kriterien für guten Unterricht

  1. Die Lehrkraft hat eine gute Arbeitsbeziehung mit der Lerngruppe angebahnt: Die Schülerinnen und Schüler kennen den Rahmen, die Regeln und haben ein Grundvertrauen in die Situation.
  2. Die Lehrperson ist fachwissenschaftlich gut ausgebildet, verfügt also über einen Überblick über den Lernstoff.
  3. Sie hat Lern-Inhalte (abstimmt mit dem Bildungsplan) ausgewählt und kann diese Auswahl begründen.
  4. Die Lehrerin/der Lehrer hat sich (im Laufe der Unterrichtseinheit mehrere und vielfältige) methodische Ideen für die Unterrichtseinheit überlegt und diese vorbereitet.
  5. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Interessen und Ziele für den Unterricht.
  6. Sie lassen sich aus Müdigkeit und Unlust in eine Beschäftigung mit dem Thema einladen.
  7. Sie können sich in die unterschiedlichen Unterrichtsformen einfinden und produktiv mitarbeiten.
  8. Sie formulieren immer wieder Zwischenstände, wie Ergebnisse und offene Frage oder Interessen.
  9. Sie reflektieren über den Unterricht (Inhalt, Methode, Erträge) und tauschen diese Reflexionen untereinander und mit der Lehrkraft aus.
  10. Sie erreichen mindestens die Hälfte ihrer zu Beginn des Unterrichts festgelegten, individuellen „Erfolgs-Kriterien“.
  11. Schülerinnen und Schüler und die Lehrkraft kommen am Schluss des Unterrichts zur gemeinsamen Bewertung, dass der Unterricht erfolgreich war.
  12. Die Lehrkraft hat aus dem Unterricht auch selbst wieder etwas dazu gelernt und nimmt diesen Ertrag als Anstoß für die Weiterentwicklung von Unterrichtskonzept und Unterrichtsgestaltung.

Über Rückmeldungen und eine Diskussion freuen ich mich.

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inhaltlich zuletzt leicht bearbeitet am 25.10.2016
optisch optimiert am 27.10.2021      zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

online kollaborativ lernen (#OpenReli – 1)

Zusammenfassung

Ein religionspädagogischer Online-Kurs zum Thema Mensch-Werden hat begonnen: Online-Live-Zeiten, Wochenaufgaben, Einladungen zu Vernetzungen und Entwicklung von allen zugänglichem Material für Schule und Erwachsenenbildung (OER).
Ich starte einen Selbst-Versuch und berichte hier ab und zu.

Eines meiner Herzensanliegen: Kooperation

Seit Jahren fordere und fördere ich die kollegiale Zusammenarbeit, besonders von Lehrerinnen und Lehrern bei der Entwicklung und Verfeinerung von Unterrichtsmaterial.

Auch die kollegiale Beratung und Nacharbeit von Unterricht und herausfordernden Situationen im Beziehungsgeflecht Schule empfehle ich regelmäßig.

So wird es niemanden verwundern, wenn ich diesen Neu-Ansatz, zu einer Zusammenarbeit von Kolleg/innen einzuladen, begrüße und mich – nach meinen Kräften – dabei beteilige.

Aktuelle Einladung: MOOC OpenReli

In einem multimedialen „Massiv Open Online-Course“ (MOOC) sollen engagierte Religionspädagog/innen sich austauschen, über kompetenzorientierte Arbeit nachdenken und gemeinsam Material für Unterricht oder Bildungsarbeit entwickeln.

ernüchternder Ersteindruck

Bisher habe ich wenig Erfahrung mit diesem Format und hatte daher hochfliegende Erwartungen. – Außerdem passte der Termin nicht in meine Terminplanung und ich konnte mir nur die Aufzeichnung anschauen.

Meine Erwartungen wurden durch die Erfahrung ernüchtert: Es mutet mir an, als wäre da noch viel möglich, aber in der ersten Live-Sitzung war viele – mir eigentlich klare – technische Anleitung und manches technische Problem zu bewältigen. – Vielleicht notwendig – andererseits nicht so sehr spannend.

Viele Möglichkeiten für OER

Das bedeutet nun nicht, das ich gleich wieder aussteige.

Was mich hoffen lässt, sind die vielen Mögklichkeiten gemeinsamer Arbeit über Kommentare, Blogbeiträge, Chat, Foren und so weiter.

Mein Ziel und Erfolgskriterium

Das Ziel bleibt, Material für meine Kernarbeit, den Religionsunterricht, zu entwickeln und über vorhandene Unterrichtsideen zu reflektieren.

Mein Kriterium für den Erfolg dieser Aktion sind drei Anregungen für meine praktische Arbeit im Religionsunterricht in beruflichen Schulen.

Herzlichen Dank an die Initiatoren für ihre Anregungen

Vermutlich steckt hinter diesem Versuch viel viel Arbeit, technische und inhaltliche.

Dafür bin ich den Initiatoren dankbar.

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zuletzt bearbeitet am 8.10.2013 / 20:38 Uhr       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Mit Freude unterrichten und lernen (Profession Lehrkraft – 12)

Kurzfassung:
Hier geht es um Lehrkräfte
und Ihre Freude am Beruf

Der Lehr-Beruf kann sinnvoll und schön sein;
er ist vielfältig und fordert die Person.
Darum sind bestimmte Haltungen hilfreich
und ein bewusster Umgang mit Erwartungen, Erlebnissen und den möglichen Anstrengungen.
Besonders die Frage nach Reflexion und Gleichgewicht zwischen Anforderung und Erholung ist zentral für eine fortdauernde Freude am Unterrichten.

Ein schöner und sinnvoller Beruf

Junge Menschen bei der persönlichen Entwicklung, Bildung und der fachlichen Ausbildung zu begleiten, also zu unterrichten und zu erziehen, ist die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer.

Wer gerne mit und für Menschen arbeitet und an der Vermittlung von Inhalten auf dem jeweilig angepassten Verständnis-Niveau Freude hat, wird auch den Reiz des Berufs der Lehrerin / des Lehrers nachvollziehen und ihn sinnvoll finden.

Unterrichten ist Beziehungsarbeit

Unterricht geschieht meistens im Klassenverband (normalerweise circa 20-33 Personen), das heißt mit vielen Menschen.

Er gelingt, wenn sich die Beteiligten gegenseitig schätzen oder zumindest respektieren. Dies ist nur mit einem persönlichen Einsatz der Interaktionspartner zu erreichen.

Dabei hat die Lehrkraft auch soziale Prozesse (z.B. Gruppendynamik in den Klassen/Kursen) so zu steuern, dass die förderliche Lern-Atmosphäre möglich wird und gewahrt bleibt.

Von der Lehrkraft wird souveräne Gelassenheit erwartet.

Ziele der Schule sind persönliche und inhaltliche Lernprozesse

Schulisches Lernen und Unterricht bedeutet, die Schülerinnen und Schüler anzuregen, Interesse zu entwickeln und Fragen zu stellen. Dafür ist die Lehr-Person ein wesentliches Medium: Zeigt sie sich interessiert an der Lebens- und Verständnis-Welt der kindlichen, jugendlichen und jung-erwachsenen Schülerinnen und Schüler?

Wenn die Schüler/innen dann Interesse entwickelt haben, benötigen sie begleitende Unterstützung bei der Beantwortung ihrer Fragen und Lern-Interessen.

Schließlich ist es den vielfältigen Lernprozessen förderlich, wenn regelmäßig ausgewertet wird:

  • Was wollten wir erreichen?
  • Was haben wir erreicht?
  • Welche Fragen bleiben offen und wo könnten diese bearbeitet und beantwortet werden?
  • Was war hinderlich für das gemeinsame Lernen?
  • Was war hilfreich/fördernd?

Schulsysteme sortieren und bewerten

Jede Schulart hat ihr Ziel und die Schülerinnen und Schüler bekommen am Ende (eines Schuljahres oder einer Schulart) eine Bewertung, ob und wie sehr sie diese Ziele erreicht haben.

Auch dies gehört zur Aufgabe der Lehrkraft: bewerten und Stärken, Grenzen und Entwicklungsbedarf zurückmelden.

Hohe persönliche Profil-Anforderungen an gute Lehrkräfte

Unterrichtshandeln ist geplant, vorbereitet und konzept-orientiert.

Es ist hilfreich, wenn hinter den Einzel-Stunden oder -projekten ein Gesamt-Konzept steht, welches – neben der Steuerung, Gewichtung und Auswahl der beispielhaften Lehr-Inhalte – auch der Reflexion dienen kann.

Hilfreiche Fähigkeiten und Ressourcen

  • kommunikative Persönlichkeit
  • an Menschen und deren erfolgreichem Lernen interessiert
  • strukturiert, organisiert (fähig zur Planung, Ordnung und Übersicht)
  • gelassen und belastbar
  • selbstreflexiv und kooperativ
  • lernbereit (bereit zu Reflexion, zu kollegialem Feedback und Fortbildung)

Life-Work-Balance

So schön der Beruf auch sein mag, so anstrengend kann die hohe Anzahl der Kontaktpersonen, Heterogenität der Gruppen, Projektionen, hohe Lautstärke, 45-Minuten- oder 90-Minuten-Rhythmen, gesellschaftliche Eingebundenheit und vieles mehr sein.

Daher gehört zur Professionalität der Lehrperson auch eine kluge Kräfte-Verteilung und Planung einer leistbaren Belastungskurve im Laufe eines Schuljahres.

Konkret lauten die Fragen dann zum Beispiel:

  • Gibt es Entlastung durch „kollaborative Unterrichtsvorbereitungen“?
  • Wie wird ein Unterrichtstag und wie die unterrichtsfreie Zeit strukturiert?
  • Wann sind Pausen und Reflexions-Zeiten sinnvoll und nötig?
  • Wie werden „anstrengende Erlebnisse“ verarbeitet und eingeordnet?
  • Wie werden Erfolge gewürdigt, das heißt gefeiert?

Kollegiale Beratung
und Coaching- oder Supervisions-Gruppen unterstützen

Der kollegiale Austausch in der Berufsgruppe kann entlasten, anregen und Lösungsansätze entwickeln helfen. Darum ist kollegiale Beratung zu empfehlen.

Oft geschieht sie informell in den Lehrer*innen-Zimmern oder auch „zwischen Tür und Angel“. An manchen Schulen haben sich auch schon Gruppen für kollegiale Fallbesprechungen etabliert.
(Ein bewährter Vorschlag steckt hinter diesem Link; pdf; 75 KB.)

Für die systematische Weiterentwicklung der Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer dienen  Coaching- oder Supervisions-Gruppen: Aus Aufgaben und Erfahrungen Einzelner werden Herausforderungen und Anreize zur Reflexion und zum Wachstum für die anderen. Eine ausgewiesene Supervisorin oder ein Supervisor steuert den Prozess und gibt Ideen und Anregungen „von außen“ in die Gruppe.
Mein Angebot: Gruppensupervision mit Coaching-Elementen für Lehrer/innen

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Weiterführende Links

Viel Freude an einem wunderschönen und herausfordernden Beruf!

zuletzt bearbeitet am 15.09.2018       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Eltern und Lehrer sollten miteinander sprechen lernen (Schule verbessern -4)

Zusammenfassung

Schulen wollen Schüler/innen in ihren Lern-Erfolgen fördern.
Eltern wollen den Erfolg ihrer Kinder.
Vielfältig sind Gespräche zwischen Eltern und Lehrerinnen und Lehrer allerdings unproduktiv angespannt und latent oder offen aggressiv.
Entspannung und gelingende Gespräche würden das gemeinsame Ziel wesentlich voran bringen.

Vom Ziel der Schule her denken: „Lernen möglich machen“

Wie im ersten Textbeitrag dieser Reihe schon beschrieben, halte ich es für wesentlich, dass die Schulen selbst zu lernenden Organisationen werden.
Das bedeutet, dass Lehrerinnen und Lehrer ständig weiter dazu lernen.

Eltern empfehle ich, zwischen ihrer eigenen Geschichte und der Gegenwart ihrer Kinder zu unterscheiden.

Auch wenn viele Menschen sich wohl mit einem Rest-Ärger an ihre eigene Schulzeit und an ihre Lehrkräfte erinnern, geht es in den aktuellen Gesprächen ja nicht um die alte Wut oder zurückliegende Kränkungen, sondern meistens um die Kinder und ihren Erfolg.

Lehrerinnen und Lehrer können von den Eindrücken der Eltern profitieren.

Kinder und Jugendliche erzählen manches vielleicht mehr zu Hause als im Unterricht. Eltern haben außerdem individuelle Informationen über ihre Kinder, die auch einem engagierten Lehrer, einer engagierten Lehrerin vielleicht entgehen könnte.

Eltern und Lehrer haben jeweils wichtige Rollen für den Erfolg der Schülerinnen und Schüler.

Die Eltern und die Lehrkräfte haben jeweils einen spezifischen Blick auf die Kinder und Jugendlichen.
Es bleibe allerdings subjektive Wahrnehmungen – aus einem bestimmten Blickwinkel – und sollten darum niemals absolut gesetzt werden.

Grenzüberschreitungen bitte vermeiden

Für einen produktiven Austausch von Wahrnehmungen im Sinne der Optimierung der Lernmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler sind zwei selbstbewusste und sich ihrer selbst bewusste Personen hilfreich:

  • Die Eltern kennen ihre Kinder oft sehr gut aus dem häuslichen Bereich.
  • Die Lehrer kennen die Kinder aus dem schulischen Umfeld.

Misslingen wird die so schön bezeichnete „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Eltern und Lehrern,

  1. wenn Eltern versuchen, den Lehrkräften zu sagen, wie diese unterrichten sollen
  2. oder wenn Lehrkräfte den Eltern sagen wollen, wie sie ihre Kinder zu erziehen hätten.

Diese wechselseitig möglichen Grenzüberschreitungen behindern eine förderliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit und erinnern die Eltern an zurückliegende Kränkungen aus ihrer eigenen Schulzeit. Die Lehrerinnen und Lehrer werden möglicherweise in ihrem Verdacht bestätigt, die Eltern würden ihnen eh nichts zutrauen.

Kommentare sind mir herzlich willkommen!

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 Weiterführende Links:

Dieser Beitrag gehört zur Reihe “Schule verbessern”:

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  • Ein die Erkenntnisse moderner Hirnforschung zusammenfassender Grundlagen-Artikel: Wie wir lernen
  • eine erproble Unterrichtsmethode: Vierfach effektiv lernen (eine gehirngerechte, schüleraktive Wiederholungs-Methode für den Unterricht)

Zuletzt geändert am 12. September 2021       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

warum wir mitlaufen (Wandel lernen – 8)

Empörung?

Es gibt tatsächlich genug Anlässe,

  • sich aufzuregen
  • sich zu empören
  • oder „Halt“ zu rufen
  • sich für andere Praktiken zu engagieren
  • Unangemessenem zu widerstehen.

Warum tun wir es nicht?
Sie wahrscheinlich nicht und ich auch nicht?

Was haben wir davon, wenn alles so bleibt, wie es ist und zur Zeit abläuft?

Haben wir uns zu sehr an den beruhigenden, „relativen Wohlstand“ gewöhnt?
Diese These vertritt Prof. Dr. Salber aus Köln in seinem Text (Was außer Hab-Sucht bestimmt die Welt? Marketing-Strategien in Krisenzeiten).
Seine anregenden Ausführungen erinnern mich etwas an den Klassiker von Erich Fromm „Haben oder sein“: Die Zurichtung des Menschen auf konsumierbare Werte hält ihn vom „wahren Leben“ ab. Diese Deformation der menschlichen Persönlichkeiten ist uns nicht mehr bewusst, weil alle – oder eine Mehrzahl – es so bewerten und tun.

Informationsflut verhindert den Durchblick

Als medienpädagogisch interessierter Lehrer und Coach finde ich einen weiteren Gedanken von Prof. Dr. D. Salber anregend: Er geht davon aus, dass die Fakten-Schwemme uns daran hindert, den Über- und  Durchblick zu behalten.

Denn daher könnten Lösungansätze gewonnen werden: Zusammenhänge zu finden und aus diesen Einsichten zu handeln. Statt dessen haben wir es mit einer unerschöpflichen Fülle von Daten und Fakten zu tun, die uns die Übersicht und erst recht den Durchstieg zu den Strukturen und Zusammenhänge dahinter verlieren und die Suche danach vergessen lassen.

Wie finden wir Ansätze für eine Lösung?

So ganz einfach und schnell wird sich keine Lösung er-finden lassen. Allerdings neige ich auch nicht zum allgemeinen Kultur-Pessimismus, der behauptet, alles würde immer schlechter werden und früher wäre sowieso alles besser gewesen.

Mein persönlicher Ansatz setzt sich aus Unterschiedlichem zusammen

  • regelmäßige „Aus-Zeiten“:
    raus aus dem alltäglichen, normalen Trubel und mich wieder ausrichten, sortieren, mich „besinnen“ (mich des Sinns wieder zu versichern)
  • regelmäßige Reflexion auf meine Ziele:
    am Ende eines Arbeits- oder Lebensjahres
  • gelegentlich auch die Ziele selbst nochmals befragen oder auch hinter-fragen
  • Austausch mit wachen Zeitgenossen, Begleiter/innen und Freunden

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Weiterführende Links

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zuletzt bearbeitet am 4.05.2013 / 13:26 Uhr       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Begeisterte Lehrer motivieren (Profession Lehrkraft – 11)

Ein wunderschöner Text –

in der Süddeutschen Zeitung entdeckt:

eine „Lobrede auf Lehrerinnen und Lehrer“ unter dem Titel Motivationsdroge Mensch.

Der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie wertet eine beeindruckend breite Daten-Basis aus und kommt zum Ergebnis, dass der vermittelnde Mensch, die Lehrkraft, hauptsächlichen Einfluss auf den Erfolg schulischen Lernens hat.

Der Autor Alex Rühle verarbeitet diesen empirischen Befund mit eigenen Erfahrungen und Reflexionen:

Tut mir als Lehrer gut

finde ich lesenswert für

  • Schülerinnen und Schüler
  • Eltern und Lehrer – kritische und interessierte
  • und für Bildungsplaner und die Verantwortlichen für die Ausbildung von zukünftigen Lehrkräften: Persönlichkeitsentwicklung kann man nämlich unterstützen.

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Weiterführende und vertiefende Links

zuletzt leicht bearbeitet am 31.10.2016
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Schulisches Lernen und mobiles Internet – Blogparade-Start

Zusammenfassung

Das Wahrnehmungs- und Kommunikationsverhalten hat sich durch mobiles Internet, Smartphones und Tablets verändert. Durch die verfügbare Technik ändern sich auch die Erwartungshaltung und die Gewohnheiten der Nutzer/innen und die Herausforderungen an die Schulen.

Meine Thesen:
  • Medieneinsatz kann das Lernen fördern und Unterricht lebendig machen.
  • Medieneinsatz kann Lernen sehr wohl auch (ver-)hindern.
  • Fortdauerender Medieneinsatz kann die Wahrnehmung von „Wirklichkeiten“ verändern. Daher gibt es auch oft eine Kluft der Vorstellungen zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen.
  • Lehrerinnen und Lehrer haben die Aufgabe, zu leiten, zu steuern und zu moderieren. Ich empfehle dringend, diese Aufgaben nicht einfach zu unterlassen oder an irgendeine andere Agentur oder ein Medium abzugeben.

Der behauptete Kontrollverlust in der Schule: Der angebliche Zwang zum Internet

Der Autor eines Artikels in der c‘t, Jöran Muuß-Merholz, transportiert seine eigenen Schul-Erfahrungen und unterstellt, dass in der Schule Kontrolle sehr wesentlich sei.

Zutreffend ist: Schulen haben einen Bildungs-und Erziehungs-Auftrag. Lernen soll ermöglicht, gefördert und gelernt werden. Zur Schule gehört nach Auffassung vieler Lehrkräfte auch, korrigierende und damit manchmal unangenehme Rückmeldungen zu geben und Leistung zu messen. Auch das kann gelegentlich unangenehm erlebt werden.

Als Lehrer möchte ich aber meistens nicht die Recherchefähigkeit via Google & Co, sondern das Wissen der Schülerinnen und Schüler messen. Darum halte ich die Regelung, die kleinen multimedialen Viel-Könner vor der Klausur bei der Aufsicht abzulegen, keineswegs für einen unangemessenen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Schülerschaft. – Wo steht geschrieben, dass ich jederzeit (und auch im Unterricht) mein Smartphone bedienen darf? – Im Prinzip geht es um einen möglichen „digitalen Spickzettel“ und der war in der Schule bei Klassenarbeiten schon immer gut begründet verboten und dem sportlichen Wettstreit zwischen Schülerinnen und Schülern und den aufsichtführenden Lehrkräften ausgesetzt: Was erfinden die Schüler/innen und was bemerken und sanktionieren die Lehrer/innen?

Die Realität muss im Unterricht vorkommen!

Darum kann ein bewusster und eingeplanter Medieneinsatz im Unterricht eigentlich nach meiner Auffassung fast nicht mehr ausgelassen werden.

Wer meinen Unterricht kennen gelernt hat, weiß, dass ich vielfältige mediale Impulse einbaue und auch die Schüler/innen an ausgesuchten Stellen solche einbringen lasse.
Das macht den Unterricht lebendig und bringt eine große Nähe: Ich lerne über diesen Weg viel von der Lebenswirklichkeit meiner Schüler/innen kennen.

Für manche Aufgaben und Unterrichts-Sequenzen ist Internet-Unterstützung tatsächlich hinderlich und darum auszusperren.

Allerdings hätte man früher (also vor circa 10 Jahren) kaum geduldet, dass Schüler/innen Zeitungen lesen, einfach so während des Unterrichts. Freie Internet-Nutzung als Quasi-Zwang in allen Unterrichtssituationen läuft aber eigentlich genau darauf hinaus – die Auswahl der Inhalte wird dem Schüler / der Schülerin und dem Medienangebot überlassen und je nach Interesse des Nutzers zur Kenntnis genommen oder nicht.

Wenn zum Beispiel die Aufgabe gestellt wird, eine eigene Meinung zu formulieren oder eine erlernte Wissensstruktur selbstständig darzustellen oder gar, wenn die Vokabeln in einer Fremdsprache getestet werden sollen, dann ist Internet-Recherche genau nicht erwünscht, ja kontra-produktiv.

Ich bin nicht bereit, alles zuzulassen.

Mag sein, dass ich mich unbeliebt mache: Bis jetzt gibt es Aufgabenbeschreibungen von Schule, Lehrkräften und Schüler/innen, in denen ein zielgerichteter Lernprozess (auch Unterricht genannt) dazu führen soll, dass die Teilnehmenden Fähigkeiten und Kenntnisse für Ihr Leben mitnehmen und mindestens so viel lernen, dass sie die angezielten Prüfungen bestehen.

Ich befürchte, dass wir gesellschaftlich derzeit eine „Kultur der Nebenbei-Aufmerksamkeit“ großflächig trainieren.

Grundsätzlich schätze ich die Möglichkeiten der mobilen Internet-Angebote und der kleinen und leistungsfähigen Endgeräte und nutze diese auch für mich privat und in ausgewählten Unterrichtssituationen.

Unangenehm auffällig empfinde ich die Abwesenheit von Nebengeräuschen und Stille: Nur noch in Kirchen und Konzertsälen ist es möglich, sich dem Mithören von Handy-Gesprächen zu entziehen.

Selbst in privaten oder beruflichen Gesprächen widerfährt mir, dass mein Gegenüber und bisheriger Gesprächspartner sich spontan zum Annehmen eines Anrufs oder einer SMS oder Email entscheidet.

Oft habe ich in Unterrichtssituationen zu unterbinden, dass sich Schülerinnen und Schüler z. B, mit der Pflege ihrer Facebook-Profils beschäftigen oder Emails beantworten, statt sich mit dem angebotenen Unterrichtsstoff zu beschäftigen.
Selbstverständlich sind sie dann nicht so konzentriert, wie sie ohne Nebenbeschäftigung sein könnten.

Herzlichen Dank an Tipp- und Rat-Geber und den Heise-Verlag

Gunnar Thörmer hat mich auf den c’t-Artikel aufmerksam gemacht. Der Heise-Verlag ist so freundlich, den Artikel in ganzer Länge online zu stellen. Beiden vielen Dank.

Ausdrücklich bedanke ich mich auch bei meinen vielen Schülerinnen und Schülern, die einem schon älteren Lehrer geduldig seine viele Fragen beantworten und mich so immer wieder informell fortbilden.

Schließlich bedanke ich mich bei den Fortbildnern, die zu diesem Thema eingeladen haben. Dieser Text ist ein erster Teil meiner Vorbereitung auf diese Veranstaltung.

Einladung zur Blogparade und zu Diskussion

Sehr gerne lade ich alle interessierten Blogger zu einer Blogparade bis 6. März 2013 ein.
[Kurzinfo „Was ist eine Blogparade? Blogger schreiben einen Artikel im eigenen Blog zum Thema und verlinken dabei auf diesen Artikel. Ich schalte alle inhaltlichen Kommentare frei. Am Ende werde ich die Ergebnisse aus meiner Sicht selbstverständlich nochmals zusammenfassen.
Viel Spaß und manchen guten Gedanken wünsche ich!]

Ich bitte auch Nicht-Blogger – vor allem Schülerinnen und Schüler – um Ihre Meinungsäußerung und freue mich besonders über eine Diskussion via Kommentar-Funktion:

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 22.03.2013       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht