sich online kollaborativ fortbilden (#OpenReli – 2)

Zusammenfassung

Eine Reflexion des religionspädagogischen MOOCs zum Thema Mensch-Werden:

  • Fortbildung nebenbei: bei laufendem Unterrichtsbetrieb
  • Online-Veranstaltungen und Lehrvideos zum Selbststudium
  • Wochenaufgaben, Einladungen zu Vernetzungen und Entwicklung von allen zugänglichem Material für Schule und Erwachsenenbildung (OER)
  • Habe viel gelernt. – Vielen Dank!

Parallel zum Alltag: stark beschränkte Möglichkeiten

Der Alltagsablauf im Herbst lässt wenig Freiheiten und Spielräume.

Weil ich aber schon jahrelang die kollegiale Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern bei der Entwicklung und Verfeinerung von Unterrichtsentwürfen und -materialien fordere und fördere, wollte ich andererseits diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Für einen Familienmenschen waren die Live-Übertragungen überwiegend zu ungünstigen Zeiten, weil genau in den Familienzeit terminiert.

MOOC OpenReli: Online-Zeiten und viele Möglichkeiten und Anregungen zum Selbststudium

openreli

Das Format MOOC habe ich hier zum ersten Male selbst erprobt und ich erhoffte mir neue Lern-Erfahrungen, Kontakte zu engagierten Religionspädagog/innen und Anregungen für neue Denk- und Reflexions-Richtungen.

Besonders hilfreich waren

  • die bereitgestellten Anleitungen und Hilfestellungen auf der Leitseite des Projektes
  • die fehlerfreundliche und experimentelle Kultur des Veranstalter/innen-Teams
  • die Aufnahmen der Veranstaltungen zum Nacharbeiten und auch zum mehrmaligen Anschauen, wenn ich etwas nicht auf den ersten Zugang verstanden hatte – zeitlich unabhängig
  • die Bereitschaft der Kolleg/innen und der Referenten, ihre Entwürfe und Gedanken auszutauschen – auch Halbfertig-Entwürfe zu zeigen und der Diskussion auszusetzen.
    Besonders dieser Umstand hat mich bei dieser Fortbildung beeindruckt und widerspricht meiner bisherigen Erfahrung: Häufig wird nämlich „gemauert“ und die Unterrichtsentwürfe werden nicht so gerne ausgetauscht; es könnte ja ein Fehler oder eine Unzulänglichkeit offenbar werden.
    Manchmal haben Kolleg/innen aber auch gar keine verschriftlichten Unterrichts-Skizzen, sondern sammeln Arbeitsblätter, interessante Links oder Einstiegs-Methoden. Das ist dann schwer zu vermitteln oder zu teilen.
    Im Kontext von OER-begeisterten Kolleginnen und Kollegen scheint dies anders zu sen. – Hier hoffe ich auch auf weitere Erträge, z.B. im Rahmen des Projekts digitales-religionsbuch.de

Mein Eindruck von meinem Lernzugewinn

  1. Die Reflexion mit dem Blick auf die Kompetenz-Zugewinne der Schülerinnen und Schüler war mir nicht fremd. Der ausdrücklich kompetenzorientiert formulierte Ansatz bietet mir einen theoretischen Rahmen und unterstützt meinen Fokus nochmals.
    In der Folge formuliere ich angezielte Kompetenz ausdrücklicher in meine Unterrichtsskizzen und beginne, den für mich im kompetenzorientierten Ansatz enthaltenen Perspektiven-Wechsel und die daraus erwachsende Kritik an „gewohnten Unterrichts-Inhalten“ in der Praxis zu erproben und zu reflektieren.
  2. Angeregt aus diesem Fortbildungsimpuls habe ich mich mit technischen Aspekten von MOOC, Hangout und twitter mehr beschäftigt und mir eine Testphase von einem halben Jahr für die Integration in meinen methodischen Baukasten vorgenommen.
    Meine ersten Eindrücke – insbesondere von twitter – sind für mich positiv und lustvoll: Ich habe schon viele gute Ideen aus twitter gewonnen.
  3. Die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe BBS (Lehrer/innen aus den beruflichen Schulen aus mehreren deutschen Bundesländern, Tirol und Österreich) hat viel Freude gemacht (in den online-Konferenzen, in der irp-Gruppe und über die Blog-Seiten) und hat viel und angenehm angeregt.

Konkrete Erträge für meine Unterrichtspraxis

Mein Erfolgskriterium für diese Fortbildung war,  drei Anregungen für meine praktische Arbeit im Religionsunterricht in beruflichen Schulen zu gewinnen, möglichst mit sofort einsetzbarem Unterrichts-Material und über vorhandene Unterrichtsideen zu reflektieren.

Tatsächlich habe ich alle Kriterien erreicht:

  1. Konkret habe ich viele Einzel-Methoden kennen gelernt (oder wurde wieder daran erinnert). Zum Beispiel
    > einen Video-Ausschnitt zum Thema „Fußball-Gott“ – besonders passend zu meiner Adressatengruppe
    > Zugänge oder erste Eindrücke graphisch darstellen zu lassen oder auch zu malen (habe ich früher schon mal angeboten, offensichtlich aber wieder vergessen)
  2. In der Arbeitsgruppe hatten wir eine mehrere Schulstunden umfassende Unterrichtsreihe zur großen Frage nach dem Sinn des Lebens und der Frage nach der Bedeutung des Weihnachtsfestes entwickelt und tolles Material dazu gesammelt. – Eine Aneignung für meinen Unterricht werde ich in diesem Advent in mehreren Klassen erproben.
  3. twitter und online-Dokumente habe ich als eine Möglichkeit des backchannels kennen gelernt – und auch das werde ich (im Unterricht und bei der nächsten Fortbildung) erproben.

Herzlichen Dank an die Initiatoren und alle Beteiligten für ihr Engagement und die vielen Anregungen

Ich weiß, dass hinter einer solchen Veranstaltung eine Menge Arbeit steckt und dass es einer eigenen Mühe bedarf, seine Ideen, Bemerkungen und Materialien für andere verständlich aufzubereiten.

Für beides bin ich dankbar und freue mich auf die „Risiken und Nebenwirkungen“.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 25.11.2013 / 18:22 Uhr      zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht
Creative Commons Lizenzvertrag
Auswertung des MOOC MenschWerden von M. Veeser-Dombrowski ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

selbstmotiviert lernen (2): eigene Ziele statt durch Vorsätze durch neue Routinen erfolgreich umsetzen

Warum gute Vorsätze meistens nicht wirken

Wer kennt nicht die vielen guten Vorsätze, die wir uns gerne zum Geburtstag, am Beginn eines neuen Lebensabschnitts oder an Silvester für das neue Jahr vornehmen?

Viel zu wenig davon wird wirklich wahr; ob im privaten Leben, beim Lernen oder in beruflichen Zusammenhängen. –
Warum das so ist?

Vermutlich sind die meisten Vorsätze viel zu allgemein und zu groß. – Der erste Schwung geht angesichts der Anstrengungen bald verloren und die wohlmeinenden Ideen und hochstrebenden Ideale verlieren ihren Einfluss auf das alltägliche Leben.
Zum Beispiel stapelten sich bei mir regelmäßig Papier-Berge:

Post-Stapel

Einfach mehr Anstrengung hilft nicht bei der Umsetzung von Vorsätzen!

Solange Verhaltensänderung von außen angetrieben werden müssen, sind alle Beteiligten sehr angestrengt. (Das scheint mir das Grund-Drama in den allermeisten Schulen zu sein.) Da hilft es nicht, den Druck (von außen oder innen) einfach zu erhöhen. –
Ich schlage vor, einen anderen Blick auf die Aufgabe zu versuchen:

Mein Vorschlag

Beginnen Sie klein!
Entwickeln Sie neue Routinen für Ihren Tages- und Wochen-Ablauf.
Üben Sie diese neun Monate lang!

Ziel-Formulierungen sollen konkret, überschaubar, terminiert und nachprüfbar sein, damit sie auf dem Weg zu einem angestrebten Zustand hilfreich werden können.

Überschaubare Schritte auf dem Weg zu einem angestrebten Zustand können fast alle Menschen beschreiben. Allerdings entwerten die meisten diese ersten Schritte ganz schnell. Sie zweifeln daran, dass man sich mit kleinen Schritten ein langfristiges und hoch gestecktes Ziel erreichen kann. –
Ich behaupte: Jede Weltreise beginnt mit einem ersten Schritt.
Jede Karriere beginnt mit dem Verständnis der ersten Vokabel der Fachsprache.
Jede Beziehung beginnt mit einem ersten, neugierigen Blick zu einem anderen Menschen.

Wenn Sie einen ersten Schritt gefunden haben, so üben Sie diesen ersten Schritt neun Monat lang. Auf diese Weise geben Sie sich die Chance, sich an die neue Verhaltensweise so zu gewöhnen, dass Sie diese auch nach dieser ersten Zeit wahrscheinlich beibehalten. – Überprüfen Sie ihren Erfolg.

Neurobiologische Begründung

Genau das ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Verhaltensänderung: Sie lernen durch Regelmäßigkeit, auch Routine genannt. – Wenn Sie es geschafft haben, einen ersten Monat lang eine neue Vorgehensweise beizubehalten (z. B. angesammelte Stapel am Ende eines Arbeitstages eine Viertelstunde lang zu sortieren und weg zu räumen) , ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie den Sinn dieser neuen Angewohnheit erspüren und sie die inzwischen antrainierte Vorgehensweise weiter beibehalten werden.

Sollte sich die neue Idee als nicht erfolgreich erweisen, ändern Sie diese in einer bewussten Entscheidung so, dass sich ein Weg zum erstrebten Ziel eröffnet. Die neu entwickelte Verhaltensweise halten Sie wieder einen Monat lang durch und ziehen dann erneut Zwischenbilanz.
Tatsächlich fest eingeprägt haben sich Routinen dann nach neun Monaten, so haben neuere Studien ergeben.

Ich wünsche Ihnen gute Ideen und viel Erfolg mit Ihren neuen Vorsätzen, besser: Gewohnheiten.

Quellenhinweise

  • Zum Konzept der intelligenten Selbstregulierung und Eigensteuerung von Lernprozessen wurde ich angeregt durch: JANSEN, Fritz / STREIT, Uta: Positiv lernen. Springer: Heidelberg; 2. Aufl. 2008
  • Einen ähnlichen Gedankengang zur Entwicklung von neuen Gewohnheiten fand ich auch in einem Interview auf karrierebibel.de in einem Interview mit dem Autor Jörg WEISNER.

Update (4.03.2009): Weitere hilfreiche Links zum Thema:

Im Blog imgriff.com fand ich mehrere Artikel zu diesen Zusammenhängen, die zum Beispiel konkrete Hilfen und auch vermeidbare Fallen aufweisen.

Zum Thema Zeitfresser Internet könnte ein Artikel des fudder-Autor Philip anregen.

Zum Ausgleich von ein Kontrapunkt von Lobbo, der behauptet:  Selbstdisziplin ist eine schlechte Charaktereigenschaft.

Update (12. 02. 2010): Sie können Ihren Willen zum erfolgreichen Lernen online und anonym bei der Fernuniversität Hagen testen: Im VPT (Volitionaler Persönlichkeit Test).
In der Auswertung bekommen Sie Tipps, wie sie den Einsatz Ihres Willens wirksamer gestalten können.

Dieser Artikel gehört zur thematischen Reihe selbstmotiviert lernen:

Beiträge mit ähnlichem Inhalt für Lehrerinnen und Lehrer: Die Artikel-Reihe „Profession Lehrkraft“

weitere hilfreiche Links:

zuletzt überarbeitet am 1. April 2020      zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

vierfach effektiv lernen

Moderne Hirn- und Lernforschung regen mich an.
So schlage ich hier ein vierfach gestuftes und aktivierendes Verfahren
zur Vertiefung und Überprüfung des Lernstoffs vor.

Ausgangslage
Der „Stoff“ ist mindestens einmal im Unterricht durchgearbeitet.
Anschließend stellen sich allen Beteiligten folgende Fragen:

  • Haben die Schülerinnen und Schüler den Inhalt (und – noch wichtiger: die Zusammenhänge) auch gelernt?
  • Was wissen die Schüler/innen wirklich?
  • Wie kann dieses Wissen so verfestigt werden, dass sie sich auch noch in Monaten und Jahren daran erinnern und es anwenden können?
  • Wie kann dieses vertiefende Lernen auch noch Spaß machen?

1. Schüler/innen entwickeln selbst Test-Fragen zum Unterrichtsthema

Die Klasse wird in Arbeitsgruppen zu 6 bis maximal 8 Personen eingeteilt. Die Schüler/innen setzen sich in diesen Gruppen in eine sinnvolle Sitzordnung.
Jede Gruppe entwickelt 1 bis 3 Test-Fragen zum Unterrichtsstoff und hält diese – gut lesbar – auf Zetteln (für jede Fragen einen einzelnen).

2. Schüler/innen formulieren selbst die erwartete, richtige Antwort
Anschließend schreiben die fragenden Gruppen eine jeweils optimale Antwort (sozusagen einen „Erwartungshorizont“).

3. Spielerische Test-Situation mit Bewertung durch die fragenden Schüler/innen-Gruppen
Nun werden die Fragen in der Klasse öffentlich gestellt und von einer anderen Gruppe beantwortet. Die fragende Gruppe bewertet die Antwort einer anderen Gruppe auf dem Hintergrund ihrer vorher aufgeschriebenen, als optimal erwarteten Antwort und gibt eine Note.

4. Überprüfung und mögliche Ergänzung oder Korrektur durch die Klasse und die Lehrkraft
Diese Bewertung wird von der gesamten Gruppe und der Lehrkraft überprüft. Möglicherweise sollte eine Antwort inhaltlich ergänzt oder eine Bewertung korrigiert werden.

Meine Erfahrungen mit diesem Verfahren

Nach anfänglichem Zögern und verständlicher Unsicherheit ob des ungewohnten Verfahrens lassen sich die meisten meiner Unterrichtsgruppen auf diese Art der spielerischen Lern-Kontrolle und Vertiefung des Verständnisses ein.
Den meisten Gruppen waren dann auch mit Spaß bei der Sache.
Bei mehrmaliger Anwendung – zum Beispiel in der Oberstufe – vermute ich auch bei Einzelnen einen Impuls zu veränderten, sinnvolleren Lern-Formen. (Vereinzelte Rückmeldungen von Schüler/innen haben mich erreicht und bestätigen meine Hoffnung.)

Mögliche Erweiterung

Noch tiefer wird ein auf dauerhaftes Lernen angelegtes Verhalten der Schüler/innen, wenn der überprüfte Stoff der letzten oder vorletzten Unterrichtseinheit entnommen wird. Dann wird kurzfristiges Pauken auf die morgen anstehende Klassenarbeit (nach dem „Kellner-Prinzip“: servieren und vergessen) nicht mehr belohnt und möglicherweise durch eine sinnvollere Lernmethode (regelmäßig kleine Portionen wiederholen) ersetzt.
(Vgl. dazu „Lernen: Für das Leben, nicht für die Klassenarbeiten! (…) Mit dieser einfachen Änderung werden Schüler und Studenten dazu angehalten, nachhaltig zu lernen und nicht ihre Zeit mit sinnlosem Gepauke zu verwenden.“ (SPITZER, Manfred: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg – Berlin: Spektrum. Akademischer Verlag; 3., korrigierte Auflage 2003; 410f)

Literatur-Hinweis und Quelle

SPITZER, Manfred: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg – Berlin: Spektrum. Akademischer Verlag; 3., korrigierte Auflage 2003:
Was Lernen beeinflusst (139-156 zu Aufmerksamkeit; 175-195 zu Motivation)
Schule (399-421)
Auch die hier dargestellte Grundidee wurde mir über Manfred Spitzer bekannt. Leider fand ich die exakte Quelle nicht mehr, in der er ein sehr ähnliches Verfahren für die Überprüfung von mathematischem Unterrichtsinhalt berichtete.

Weiterführende Links:

zuletzt überarbeitet am 9. April 2010 / 10:30 Uhr                           zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht