Der Wandel ist notwendig (Wandel lernen – 1)

Zusammenfassung
Viele Sicherheiten und bisherige Gewissheiten werden zur Zeit fraglich.
Der Wandel der Rahmenbedingungen hat ein atemberaubend hohes Tempo erreicht.
Bisher vertraute Lösungsansätze zeigen keine ausreichende Wirkung mehr.
Zusätzlich trauen sich Verantwortliche nur selten, ihre Wahrnehmungen, Bewertungen und Lösungsansätze klar auszusprechen.
Folglich schwindet Vertrauen, denn viele Menschen spüren, dass man ihnen die Wahrheiten nicht mehr sagt.
Eine neue, gewandelte Umgangsweise mit den wichtigen Themen der Menschen ist notwendig.

Ansätze für einen “großen Wandel” sind erkennbar.
Wir können diese Ansätze stärken: Kleine Schritte von Vielen in die neue Richtung können eine lange andauernde Wirkung erzeugen.

Mit diesem Artikel beginne ich eine  neue, thematische Reihe zum “großen Wandel”.

Gliederung

Die Menschen spüren die vielen Unstimmigkeiten und offenen Fragen.

Immer mehr Menschen spüren, dass unsere Art zu leben, zu wirtschaften und mit unserer Umgebung umzugehen, in Sackgassen führt. Viel besprochene Stichworte dazu sind:

  • Umwelt- und Klimakrise
  • Hypotheken-, Banken- und Wirtschafts-Krise
  • Schwindendes Vertrauen in Politiker/innen und ihre Lösungsfähigkeiten
  • fortdauernder Schwund an Anerkennung von Institutionen
  • Zweifel an einer faire Regelung von Ausgleich und Solidarität
  • mehr und mehr auch Nachdenklichkeit und Veränderungsimpulse im Persönlichen

Große politische Fragen werden zur Zeit nicht zufriedenstellen geklärt:
Unser Handeln schädigt das Öko-System der Erde: Klima-Krise

Mitte Dezember sucht eine große und hochgradig besetzte Konferenz zur Klima-Problematik in Kopenhagen nach verbindlichen Verabredungen zum Schutz des Welt-Klimas. Aber die eingeübten Politik-Rituale verhindern einen qualitativen Sprung und am Ende kam eine politische Absichtserklärung heraus, die für viele Interessierte niederschmetternd arm an Substanz ist. Zudem wurde diese Erklärung vom Plenum der Konferenz nur “zur Kenntnis genommen”, ist also nicht verbindlich. Und die Probleme werden wieder nicht ausgedrückt sondern verkleistert oder verkleidet.

Große wirtschafts-politische Fragen bleiben ungeklärt:
Welche Wirtschaftordnung wollen wir in Zukunft?

Auch die zukunftsweisende Konsequenzen aus der Hypotheken-, Bank- und Wirtschaftskrise kann ich nicht erkennen. Eher scheint das gewohnte und eingeübte Verhalten nach den Erschütterungen wieder rekonstruiert zu werden und wir leben alle weiter, wie vorher – bis zur nächsten Krise.
Die Frage, wie immer weniger Menschen mit ihrer Erwerbsarbeit immer mehr ältere Menschen nach deren Erwerbsphase versorgen und wie die Kranken- und Pflege-Kassen die neuen Herausforderungen bewältigen sollen, ist meiner Wahrnehmung nach ungeklärt.
Jene, die es wagen, die Offenheit dieser Fragen anzusprechen, werden lächerlich gemacht oder der Schwarzmalerei bezichtigt.
Die Antwort wird aber nicht gegeben.

Die Frage nach Gerechtigkeit ist nicht geklärt:
Viele fühlen sich ungerecht behandelt.

Die Frage nach der Gerechtigkeit in unserer reichen Wissens-Gesellschaft wird zur Zeit nicht zufriedenstellen beantwortet.
Immer mehr Menschen arbeiten in mehreren “Beschäftigungs-Verhältnissen” und haben immer noch zu wenig.
Andere Teile der Gesellschaft haben schlicht so viel, dass sie unmöglich verbrauchen können, was sie besitzen.

Angesichts dieser immer schärfer klaffenden Schere zwischen Armen und Reichen fühlen sich diejenigen, die weniger haben, als für ein menschenwürdiges Leben notwendig ist, ungerecht behandelt.
Die Viel-Besitzenden fühlen sich ebenso ungerecht behandelt, wenn sie zusätzlich belastet werden sollen.

Alternative Konzepte, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, werden mehrheitlich nicht ernsthaft diskutiert.

Dass die Frage nach einer gerechten Verteilung der Lebensmöglichkeiten und damit die Frage nach der Verteilung des objektiven Reichtums bislang ungelöst ist, liegt sicher auch daran, dass ernste Alternativen nicht oder nicht ausreichend diskutiert werden.

Auch hier fehlt der Mut, einmal ehrlich zu sagen, dass die lohnabhängige Besteuerung und die lohnabhängige Absicherung der Sozialsysteme sicher in eher kürzerer als längererer Frist nicht mehr funktionieren wird.

Der Mangel an mutigen und klaren Aussagen führt zu Vertrauensverlust.

Wenn Menschen die Erfahrung machen, dass man ihnen die Wahrheit vorenthält, ziehen sie daraus ihre Schlüsse: Sie verlieren das Vertrauen.

So hat eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung ein starkes Misstrauen gegenüber den Politiker/innen ermittelt. eine Pressemitteilung der Stiftung fasst wichtige Punkte zusammen und die Studie “Vertrauen in Deutschland” vom Dezember 2009 finden sie hier (als download, pdf, 2,1 MB).

Diskutieren Sie mit!

Selbstverständlich bin ich nicht der einzige, der sich über diese Vorgänge und die not-wenigen Wandlungen Gedanken macht.

Vielleicht haben Sie Interesse, Ihren Beitrag dazu zu schreiben. – Über Kommentare und Rückmeldungen freue ich mich.

Bei Gelegenheit werden weitere Beiträge zu dieser Reihe folgen.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 6. Februar 2010 / 09:50 Uhr       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

burnout – arbeiten bis zum Ausbrennen

Kurz-Beschreibung Burnout:

Burnout ist eine sehr drastische Reaktion des menschlichen Körpers auf eine andauernde Überlastung, allermeist durch sehr belastende Arbeitsbedingungen und den entsprechenden Umgang damit ausgelöst.
Wesentliche Anzeichen und Warn-Signale sind:

  • fortdauernde Erschöpfung
  • Unfähigkeit, “abzuschalten” und sich zu distanzieren
  • verlorene Erholungsmöglichkeiten
    (sich nach dem freien Wochenende oder dem Urlaub immer noch dauer-müde und unerholt zu fühlen)

Burnout bedarf auf jeden Fall einer sachkundigen Behandlung.

Ein Film-Tipp zum oft tabuisierten Thema burnout:

Am 17. November 2009 findet ein Themenabend auf arte zum Thema burnout – Schuften bis zum Umfallen statt.

Auf der Website der Fernsehanstalt arte finden Sie ein Video als Vor-Premiere der Gemeinchaftsproduktion von arte und ndr aus dem Jahr 2009:

„Ausgebrannt – wenn nichts mehr geht.“
Ein Dokumentarfilm von Ingolf Gritschneder

Den Film habe ich mir als Vorpremiere auf arte.tv angeschaut und bin begeistert: Die Betroffen wirken auf mich sehr authentisch und die fachlichen Kommentare kundig und zielführend.
Der Film macht die Dramatik dieses Syndroms deutlich und vermeidet es wohltuend, reißerisch oder marktschreierisch zu sein. -
Ich bin gespannt auf den Themenabend und wünsche diesem Film und diesem Thema viel Aufmerksamkeit.
Meinen Respekt den Filme-Machern und den Programm-Verantwortlichen!

Herzlichen Dank der Kollegin Gisela Bautz (Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule, Freiburg) für den hilfreichen Hinweis.

Ich wünsche Ihnen hinreichende Aufmerksamkeit für Ihre Gesundheit!

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Weiterführende Hinweise und Links

zuletzt bearbeitet am 29. Jannuar 2010 / 12:12 Uhr          zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

frei entscheiden (Profession Supervision, 5)

Zusammenfassung und Gliederung

Entscheidungs-Freiheit möchten viele selbstbewusste Menschen für sich erreichen. – Diese Freiheit lockt und hat einen Preis: Wir werden verantwortlich für unsere Entscheidungen. Dies bedeutet – je größer die Auswahl ist – auch eine größere Mühe und ein größeres Risiko zu scheitern.
Supervision und Coaching können komplexe Entscheidungen begleiten und die notwendige Umsetzungsschritte unterstützen.

Wahlfreiheit wird vielfach und vielfältig angestrebt.

Im privaten Bereich (Freizeit, Hobby oder Familie) und auch im Beruf schätzen die meisten Menschen, wenn sie eine Auswahl treffen können: Wahlfreiheit gilt als eine erstrebenswerte Möglichkeit. Aus ihr heraus können wir uns selbst als Handelnde empfinden. Darum schätzen viele die Wahlfreiheit.

Wer gestalten möchte, wer mitentscheiden möchten, wie sie/er leben will und wie ihre/seine Umgebung aussehen soll, benötigt die Möglichkeit zur Auswahl.

In Herausforderungen hilft es, aus mehren Möglichkeiten auswählen zu können.

In Konflikten, Konfrontationen oder Entscheidungssituationen wird es allgemein als sehr viel angenehmer erlebt, wenn wir aus mehreren Möglichkeiten auswählen können.

Aus Sicht des Supervisors kann ich nur nachdrücklich dazu raten, sich mehrere Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Andernfalls entsteht eine Art “Automatismus” im Handlungsablauf – oft mit einer Tendenz zur Verschärfung oder gar zur Entweder-Oder-Struktur.

Die Freiheit, zu entscheiden, kann auch als anstrengend empfunden werden.

Mit zunehmender Möglichkeit, sich zu entscheiden, entsteht auch eine Art von Entscheidungs-Zwang. Dies kann als anstrengend erlebt werden.

In der Fach-Literatur wird diese Erscheinung auch unter dem Begriff “Modernisierungs-Falle” behandelt:
Weil wir die Wahl-Möglichkeit haben, müssen wir auch entscheiden.
Weil wir entscheiden können, sind wir auch in vollem Umfang für eine vielleicht nicht optimal getroffene Wahl verantwortlich.

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit;
das ist der Grund,
warum die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.

George Bernard Shaw: Das war Bernard Shaw

zitiert nach www.zitate-aphorismen.de

Wie können wir unterscheiden, ob wir uns für mehr Wahlfreiheit oder innerhalb gegebener Rahmenbedingungen mit “kleinerer Freiheit” engagieren wollen?

Im einen Fall werden wir eingeladen, uns gegen rigide oder als unmenschliche empfundene Bedingungen in Gesellschaft und Arbeit zu wehren: wir engagieren uns für mehr Freiheit oder einen höheren Beteiligungsgrad.

Im anderen Fall kann es auch sein, dass wir uns dafür entscheiden (!), Bedingungen zu akzeptieren und – in von irgendwo anders her bestimmten Rahmenbedingungen – den verblieben Spielraum zur Auswahl von Haltungen und Handlungen zu gestalten.

Die Unterscheidung, wann eine Wahl-Möglichkeit unbedingt gefordert werden soll und wann des angemessener und realistischer erscheint, die Rahmenbedingungen zu akzeptieren und innerhalb des Rahmens dann zu gestalten, ist eine schwer wiegende Unterscheidungsfrage und wahrscheinlich nur mit viel Lebens-Erfahrung zu entscheiden.

Supervision und Coaching fördern die Analyse.

Supervision und Coaching sind Gelegenheiten, Situationen gründlich zu betrachten, Faktoren zu beschreiben, Zusammenhänge zu finden und darzustellen.

Sie regen zur Nachdenklichkeit und einer Suchbewegung im Verständnis von Situationen an.
Aus diesen Analysen und Verstehens-Versuchen ergeben sich neue Blickwinkel.

Supervision und Coaching fördern die Fähigkeit, zu unterscheiden.

Die schon beschriebene Frage “Wann ist ein Einsatz für mehr Wahl-Möglichkeiten und wann eine Sich-Einrichten mit den vorgegebenen Rahmenbedingungen sinnvoll?” bedarf in jedem gewichtigen Falle einer sorgfältigen Prüfung, wollen wir nicht zu konformen Pragmatikern, ja Opportunisten werden.

Es gilt einen Standpunkt zu finden zwischen einem fortdauernden, auszehrenden Aufbegehren gegen alles und jeden und einer habitualisierten Anpassung an jede Situation.

Manche wachen Autoren regen an, auch aktuelle Kultur- und Selbst-Techniken sorfältig zu durch-schauen. Sie finden beispielsweise hinter so hilfreichen Instrumenten wie Zeitplanung und Ziel-Management die Verlockung, in “vorauseilendem Gehorsam” schon Selbstbeschneidung und Anpassungsleistung zu vollbringen, die früher strenge Vorgesetzte und wilde Ausbeuter nicht fertig gebracht hätten. (Stichwort “Gouvernementalität”, z.B. in: Bröckling, Krasmann, Lemke: Gouvernementalität in der Gegenwart. suhrkamp: Frankfurt am Main, 2000)

Supervision und Coaching unterstützt, die Anzahl der Möglichkeiten zu erhöhen.

In Supervision oder Coaching wird häufig nach dem ethischen Imperativ von Heinz von Foerster verfahren:

“Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.”

Der gelernte Physiker und Kybernetiker hat das systemische Denken wesentlich angeregt. So hat er auch regelmäßig darauf verwiesen, wie wesentlich unsere Wahrnehmung für unsere Konstruktionen von Wirklichkeit sind.

Supervision und Coaching begleiten den Auswahlprozess.

Wenn mehrere Möglichkeiten der Haltungen und möglichen Handlungen gefunden sind, wird sinnvollerweise eine Auswahl stattfinden. Diesen Klärungsprozess kann Supervision oder Coaching begleiten.

Supervision und Coaching kann den Umsetzungsprozess nach einer Wahl unterstützen.

Nach der Entscheidung folgt die Aufgabe, diese in Handlungsschritte – auch gegen Widerstände anderer und eigener, älterer Gewohnheiten – umzusetzen.

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Weiterführende Links

Artikel-Reihe zur “Profession der Supervision”.

Diese Reihe wird in loser Folge fortgeführt.

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zuletzt bearbeitet am 21. 12. 2009 / 12:35 Uhr                     zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Bau einer demokratischen Schule für Huamachuco/Peru

Im Rahmen einer Schulpartnerschaft

Schon seit über zwei Jahren kooperiert die freie demokratische Schule Kapriole e. V. in Freiburg mit peruanischen Lehrkräften beim Aufbau einer demokratischen Schule in den Höhen der nördlichen Anden.
edhu_logoIch unter­stütze dies und empfehle Ihnen dieses Projekt.

Was bisher geschah:

  • Ein Trägerverein für die Schule und ökologische Bildung wurde gegründet.
  • Die Schule wurde im Frühjahr 2009 von den peruanischen Behörden genehmigt.
    Sie bleibt eine Privatschule und wird von staatlicher Seite nicht bezuschusst. -
    Seither wird in eine ersten Gruppe noch in provisorischen Räumen unterrichtet.
  • Nach der Bildungsreise des ersten Lehrers, Valerio Narvaes Polo, hat Com­promiso Wilson
    (ein kleiner Förderverein, bei dem ich mich engagiere) ein Praktikum
    des zweiten Lehrers, Wilson Ruiz Carrion aus Huama­chuco, in der Kapri­ole in Freiburg zur päda­go­gischen Weiter­bil­dung gefördert.
  • Die Planungen für den Schulbau mit Internatsplätzen in vier Bauabschnitten für dann insgesamt 90 Schüler/innen in sechs Klassen ist abgeschlossen.
  • Im Juni wurde ein Windrad zur Stromgewinnung in 3400 m Höhe errichtet.
    (Höchstwahrscheinlich eines der ersten in Peru in dieser Höhe.)
  • Anfang Oktober 2009 wurde das Gelände für den Bau eingeebnet:
    Schulgelände (Blick von O nach W)

Was jetzt nötig ist
und
meine herzliche Empfehlung an Sie zur Förderung:

  • Finanzierung der Bildungsreise von Tania Y. Aranda Salvador zum Praktikum in der Kapriole in Freiburg.
  • Unterstützung des Baus eines Schulhauses in der dort ortsüblichen Lehmbauweise:
    Fundamente der EDHU werden sichtbar

    am 11. Februar 2010 war das Dach des ersten Rohbaus gedeckt:
    Der erste Bau-Abschnitt hat ein Dach.

Weitere Informationen

letzte Überarbeitung am 13. Februar 2010 / 16:05 Uhr                              zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

hitzefrei abschaffen!

Zusammenfassung und Gliederung

Ein pädagogisch interessiertes Elternpaar plädiert für die Abschaffung der “hitzefrei”-Regelung und regt vielfältige andere schulische Nutzungen dieser Zeiten an: Spiele, Quiz, Hausaufgaben-Betreuuung statt Unterricht in überhitzten Räumen. Eine Diskussion könnte spannend werden und ist sicher notwendig.

In jedem warmen Sommer das selbe Verfahren: Bei Hitze gibt es schulfrei!

thermometer_medium1Da Bildung Ländersache ist, regelt jedes Bundesland das Verfahren eigenständig.
Einige Bundeländer haben hitzefrei abgeschafft. So ist nach meinen Informationen hitzefrei im Saarland abgeschafft.

Es gibt manche Verunsicherung, ob diese Regelung noch in Kraft sei. Die Internet-Seite des Kultusministerium Baden-Württemberg findet das Stichwort “hitzefrei” nicht. So ist verständlich, dass viel spekuliert wird.

In Baden-Wüttemberg gibt es – nach meinen Informationen – eine Bekanntmachung über den Ausfall des Unterrichts an besonders heißen Sommertagen vom 15.12.1975, nach der die Schulleitungen nach der vierten Unterrichtsstunde hitzefrei geben können.
Rechtsanwalt Andreas Zoller fasst diese sinngemäß so zusammen:

  • drückende Hitze (um 10 Uhr MEZ mindestens 25 Grad im Schatten)
  • Unterrichtserfolg erscheint sehr fraglich.
  • Die Schulleitung kann entscheiden.
  • gilt nicht für Jahrgangsstufe 11-13 allgemeinbildender und beruflicher Gymnasien und alle berufliche Schulen

Wer übernimmt die Aufsichtspflicht bei hitzefrei?

Diese Frage stellt sich mit hoher Dringlichkeit für die Schülerinnen und Schüler von Grundschulen.

Manche Schulen geben einen allgemeinen Hinweis an die Eltern: “Sie müssen in den nächsten Wochen mit Hitzefrei rechnen!” – Soetwas verwundert mich sehr, wird doch bei fast allen anderen Gelegenheiten sehr sorgsam auf die Einhaltung der Ausichtspflicht geachtet. – Das finde ich auch gut so!

Aus meiner Sicht ist ein allgemeiner Hinweis an die Eltern kein zulässiges Verfahren, denn wir Eltern übergeben die Aussichtspflicht über unsere Kinder an die Schulen und rechnen (und planen) mit der Einhaltung des Stundenplans.

Die Eltern wissen nicht sicher, wann die Kinder aus der Schule kommen.

Im Alltag zeigt sich dann die Problematik. Mit oder ohne allgemeine Ankündigung sehen sich Eltern, die sich Verantwortung gegenüber ihren Kindern wahrnehmen wollen, einer großen Unsicherheit gegenüber: Wann kommen denn nun die Kinder nach Hause?

Nach der Meinung meiner Frau und meiner eigenen Vorstellung kann von den in den Schulen Verantwortlichen nicht einfach grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass zu Hause eine Aufsichtsperson (meist eine Mutter) wartet, ob die Kindern nun hiltzefrei haben oder nicht.

Die Alternative für anderweitig gebundene Eltern, sich auf nachbarschaftliche Zufälligkeits-Betreuung und “das Prinzip Hoffnung” zu verlassen, ist für uns kein akzeptabler Weg.

Welche anderen, chancenreichen Möglichkeiten gibt es?

Wie hier auch veröffentlicht, bin ich selbst auch Lehrer und weiß, vonvon ich schreibe.

Selbstverständlich ist es für gelingende Lernprozesse günstiger, wenn die schulischen Räume nicht überhitzt sondern angenehm temperiert sind.

Andererseits führen viele (Klassen-)Lehrer/innen die für mich nachvollziehbare Klage, dass sie zu wenig zeitliche Spielräume für die Aushandlung von Gruppen-Prozessen (Absprachen, Klärungen von Missverständnissen, Konfliktregelungen), für Beziehungspflege oder auch für individualisierte Begleitung von Schüler/innen haben.

Was spricht dagegen, wenn ein Regelunterricht tatsächlich nicht mehr zumutbar erscheint, die Kinder nicht nach Hause zu schicken, sondern sie in einer spielerischeren, offeneren Form zu begleiten? – Wie würde sich zum Beispiel das Gruppen- und Klassen-Klima positiv verändern, wenn die Gruppe gemeinsam Spiele oder Quiz erleben könnten?

Was spricht dagegen, die Kinder in der Anfertigung ihrer Hausaufgaben zu unterstützen, so dass sie nach Heimkehr dann tatsächlich alle notwendigen schulischen Arbeiten erledigt haben und ins ersehnte Schwimmbad gehen könnten?

Ein positiver Nebeneffekt: Die Schulen werden verlässlich, das heißt berechenbar.

Ganz nebenbei wäre damit ein fortdauerndes Ärgernis an manchen Schulen beseitigt, dass die Stundenpläne nämlich gelegentlich nicht den Vormittag abdecken und dies auch nicht verlässlich, das heißt planbar, gehandhabt wird.

Es gab einmal eine Zeit, als Politiker/innen gerne von der “verlässlichen Grundschule” sprachen. Diese Formel ist leider nie belastbar ausgestaltet und nach meiner fast vierjährigen Erfahrung mit einer der größten Grundschulen Baden-Württembergs schon gar nicht umgesetzt worden.

Neudings wird gerne von ganztags betreuenden Schulen gesprochen und mancherorts auch schon geplant.

Wir wünschen uns erst einmal eine berechenbare Halbtags-Schule (nicht nur für Nutzer von zusätzlichen Hort- und Kernzeit-Betreuungsangeboten!).

Zusammenfassung

Meine Frau und ich plädieren für eine grundlegende Umformulierung der Regelung von “hitzefrei” in eine Möglichkeit, die schulischen Lern- und Aufenthaltsformen lockerer aber zeitlich verbindlich regelt.

Eine Diskussion ist sehr erwünscht.

Eine Diskussion – am liebsten in Form von Kommentaren zu diesem Artikel – ist sehr erwünscht.
Wer seine Meinung lieber über eine Mail mitteilen möchte, dem biete ich an, eine wechseitig abgesprochene Zusammenfassung hier zu veröffentlichen.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 30.08.2009                               zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Bildung ist systemrelevant!

Im Februar 2010 ergänzt:
Bildung wirkt langsam, aber mächtig.
Eine neue OECD-Studie versucht die hohe wirtschaftliche Relevanz mit beeindruckenden Zahlen zu belegen.
Mehr Informationen werden von R. Kahl im adz-netzwerk zusammenfassend veröffentlicht. Dort fand ich auch den Link zum Orginaltext der OECD-Studie.

Zusammenfassung und Gliederung

Die Frage, wie wichtig Bildung – besonders schulisches und studentisches Lernen – dieser Gesellschaft ist, wurde in den Wochen des Bildunsstreiks auch auf Demonstrationen und mehr in der Öffentlichkeit diskutiert.

In dieser Woche demonstrieren Viele für bessere Bedingungen für das Lernen.

Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Dozentinnen und Dozenten und manche Interessierte protestieren für mehr gesellschaftliches Gewicht für Schulen und Universitäten.
Dies bedeutet in unserer Welt immer auch, dass mehr Geld gefordert wird.

Wichtige Forderungen der Proteste sind:

  • Klassen sollen kleiner werden.
  • Schulen sollen gut ausgestattet werden, weil sie wichtig sind.
    (“Systemrelevant” heißt die moderne Vokabel dafür.)
  • Die Verkürzung der Schulzeit zum Abitur (“G8″ genannt) wird als unausgereift angeprangert.
  • Hochschulen sollen ausreichend ausgestattet werden.
  • Studiengebühren sollen wieder fallen.
  • Grundsätzlich wird der Bologna-Prozess mit der europaweiten Neuregelung der Hochschul-Studiengänge und der -abschlüsse kritisiert.
  • Konkret wird die Tendenz zur “Verschulung” von Studien beklagt.

Diese Diskussion ist wichtig!

  1. Gerade in Krisenzeiten sind Schwerpunktsetzungen notwendig, die der Versuchung widerstehen, auf kurzfristige Einsparungen zu schielen.
  2. Langfristig denken und planen, heißt sicher auch, Grundlagen unseres komplexen Gesellschafts- und Wirtschafts-System zu sichern. Dies bedeutet für mich: Grundwissen und Grundfertigkeiten (zum Beispiel: dass wir selbstständig Neues lernen können) auf einem hohen Niveau zu sichern.
  3. Manchmal genügt mehr Geld alleine allerdings nicht! Auch neue Lern-Anregungen und Lern-Umgebungen sind notwendig und müssen entwickelt werden. – Dafür benötigen Bildungseinrichtungen den nötigen Freiraum.

Persönlich bin ich froh, dass die Betroffenen ihre Anliegen nun auch öffentlich wirksam darstellen und hoffentlich eine sinnvolle Diskussion entsteht.

Wenig zielführend kann ich da die reflexartige Abwehr der Bundesbildungsministerin, Annette Schavan, finden. – Selbstverständlich kann eine Fachfrau für Bildungsfragen die Fragen differenziert sehen. Ich wünsche mir von Spitzenpolitiker/innen, dass sie verständliche Worte für differenzierte Problemlagen findet und nicht einfach abwinkt, wenn viele Betroffene ihre Sorgen und Interessen vertreten.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 4. 02. 2010 / 13:29 Uhr                         zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht