anspruchsvoll entscheiden: konsensieren

Kurzfassung

Mehrheitsentscheidungen führen manchmal zu unangenehmen Wirkungen.

– Konsens ist anstrengend!
– Machtspiele sind lästig und schädlich.

Ein pfiffiger Perspektiven-Wechsel führt zu Lösungen: durch „konsensieren“.

Mehrheitsentscheidungen haben deutliche Nachteile.

Immer wieder wird begründet bezweifelt, ob die üblichen Mehrheitsentscheidungen günstig sind.

Aktuell liefert zum Beispiel die eifrige Suche nach Mehrheiten für die Wahl eines Nachfolgers von Martin Schulz als Präsident des europäischen Parlaments Anschauungsmaterial.

Dank an den Hinweisgeber

Neulich wurde ich durch meinen aufmerksamen, ständig neue Ideen findenden Freund Gunnar Thörmer auf eine interessante Alternative aufmerksam:

Das SK-Prinzip oder „konsensieren“

Im privaten Bereich und in kleinen Gruppen machen wir uns die Mühe, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung – also einen Konsens – zu finden.
Die Beziehungsschäden wären sonst zu hoch.

Wie kann dieses Prinzip auch für größere Gruppen mit verträglichem Aufwand angewendet werden?
Indem wir auch dort Lösungen suchen, die für die allermeisten Fälle ohne „Verlierer“ oder „Überstimmte“ ausgehen können.

Der Dreh: Die Perspektive wird auf die Widerstände gegen die einzelnen Lösungs-Optionen gewendet. Das heißt, die normalerweise schwarz-weiß unterscheidende Mehrheitswahl wird in Stufen aufgebrochen. Für jede der Lösungs-Möglichkeiten wird der Widerstand auf einer Skala von 0 (ohne Widerstand = eine mögliche Ja-Stimme im Mehrheitswahlmodus) bis 10 (geht gar nicht = mögliche Nein-Stimme im Mehrheitswahl-Modus) eingeschätzt und zusammengezählt wird.

Vorteile

  • In einer ersten Zwischenphase können weitere Lösungen vorgeschlagen werden (eine deutliche Steigerung der Beteiligungsmöglichkeiten).
  • Der Charme dieser Vorgehensweise ist, dass man mit diesem Verfahren mehrere Ja- oder Nein-Stimmen und auch noch alle Abstufungen dazwischen zu allen zur Auswahl stehenden Möglichkeiten abgeben darf.
  • Die Konsens-Lösungen werden sehr gut von allen aus der Entscheidergruppe akzeptiert.
  • Allermeist gibt es keine „Verlierer“; alle sind am erfolgreichen Konsens beteiligt.
  • Der Fokus wird durch das Verfahren auf kreative und sinnvolle Lösungen und weg vom reinen Macht-Erhalt verschoben. (Darum kann man das Verfahren mit Recht „systemisch“ nennen.)

Nachteile

  • Benötigt eine Hin- und Einführung, weil das Verfahren noch nicht sehr bekannt ist.
  • aufwändig (zeitlich und inhaltlich)
  • In den meisten Geschäftsordnungen von Entscheidungsgremien sind Mehrheitsentscheidungen als Standard-Verfahren festgelegt. Daher muss nach dem Konsensieren noch ein formaler Mehrheitsbeschluss über die einvernehmlich gefundene Lösung herbeigeführt werden.

Ein hilfreiches online-Tool

Meine ersten Tests mit https://www.konsensieren.eu/de/ sind positiv verlaufen. Ich werde das Verfahren und die bereitgestellte Ressource weiter erproben. Beispielsweise werde ich es bei Entscheidungen über Wahl-Themen im Unterricht einsetzen und auch weiter empfehlen.

Bin gespannt auf Ihre Erfahrungen und Einschätzungen.

Freue mich über Kommentare und besonders über Erfahrungsberichte.

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zuletzt leicht bearbeitet am 14.01.2017 / 12 Uhr zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

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