Reflexion hilft zu lernen – Blogparade reflektierende Praktiker, Lehrer & Co

Zusammenfassung

Routinierte Reflexion fördert das Lernen von pädagogischen Praktikern und damit die Qualität.
Dafür lohnt sich Arbeitszeit einzuplanen Zeit.

Herr Larbig lädt zu einem Austausch über Reflexions-Routinen ein.

Der Lehrer-Kollege Torsten Larbig startete in den Sommerferien eine Blogparade mit der Frage, wie Lehrende ihre Praxis reflektieren. Ursprünglich war die Frage mal als Twitter-Tweet gestartet worden:

Frage an LehrerInnen: Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus? — herrlarbig (@herrlarbig) August 6, 2012

Schnell wurde ihm wohl klar, dass diese Frage nicht in 140 Zeichen beantwortet werden kann.

Diese Frage passt wunderbar:
Vor meinem Schuljahres-Start setze ich mir Ziele

Eigentlich beißt sich die Reflexions-Schlange hier in den Schwanz, denn Anregungen für die Ziele stammen häufig aus der Auswertung des letzten Schuljahres und meinen Erfahrungen mit meinem Unterricht und dem Nachdenken darüber, der „Reflexion“ eben.

Für jedes Schuljahr entwickle ich einen Wochen-Routine-Plan.

Als Nutzer eines nicht-digitalen Terminplaners auf Ringbuchbasis, habe ich die Möglichkeit, selbst entwickelte Formulare einzuhängen.
Sobald ich meinen vorläufigen Stundenplan bekommen habe, übertrage ich diesen in eine Wochenübersicht. In diese trage ich dann bei der Unterrichtsplanung die Stunden-Themen, manchmal auch Stichworte zu Zielen, auf jeden Fall aber den Medien-Bedarf ein.
Auf der Rückseite dieses Planungsmittels liste ich fehlende Klassenbucheinträge (ein fortwährender Stress-Punkt für alle „kleinen Fächer“ mit gemischten Kursen) und den Kopien-Bedarf auf.
So kann ich nebenher auch den Kopier-Aufwand verkleinern: Ich gehe meist nur zwei Male pro Woche zu größeren Kopier-Einheiten.

Nach Unterrichtseinheiten reflektiere ich.

Nach jeder Unterrichtseinheit reflektiere ich mit den Schülerinnen und Schülern nach einem standardisierten Verfahren und mache mir meine eigenen Gedanken und Notizen (entweder auf den Ausdruck des Unterrichtsplanes oder auch gleich digital).

Einer kollegiale, pädagogische Fallbesprechungsgruppe

Seit dem Schuljahr 2009/2010 gibt es eine kollegiale Fallbesprechungsgruppe an meiner Schule.

  • Fünf bis maximal acht Kolleginnen und Kollegen vereinbaren sich zu Beginn eines Unterrichtsjahres zu einer verbindlichen Zusammenarbeit in fünf bis sieben 90-Minuten-Treffen.
  • Wichtig dabei ist, sich wechselseitig Vertraulichkeit zuzusichern und dieser Zusicherung auch Glauben schenken zu können.
  • Schwere Konflikte können in dieser kollegialen Selbsthilfe-Form nicht bearbeitet werden.
  • Seit zwei Schuljahren arbeiten wir nach einem frei nach Kim-Oliver Tietze weiter entwickelten Verfahren für Kollegiale Beratung.

Am Ende des Schuljahres hole ich mir Schüler-Lehrer-Feedback

Wie schon verschiedentlich in diesem Blog beschrieben halte ich viel von Feedback und bitte daher meine Gruppe um ein Schüler-Lehrer-Feedback und auch ausgesuchte Kolleg/innen um Rückmeldung und gebe auch Feedback.

Nach dem Unterrichtsjahr werte ich aus und überprüfe meine Ziel-Erreichung

Am Ende des Schuljahres bin ich oft erschöpft und sehne mich nach Abstand und Erholung. Allerdings habe ich mir angewöhnt, mir noch ein paar Tage Zeit zum Ausklingen, Auswerten und Ordnen zu gönnen.

Diese Erntezeiten möchte ich inzwischen ungern missen:

  • Ich sichte die Feedbacks der Schüler/innen und notiere mir manche Anregungen für das nächste Schuljahr für den Inhalt, die Methoden oder die Steuerung des Unterrichts.
  • Beim Vergleich mit meinen Schuljahreszielen entdecke ich Fortschritte und kann diese würdigen und bekomme auch wieder Anregungen für die Ziele des nächsten Unterrichtsjahres (siehe oben).
  • Auch das nicht so geliebte Aufräumen tut gut und oft wird noch ein gutes Element oder eine gelungene Methode gefunden und kann dort abgelegt werden, wo ich sie dann bei Bedarf auch wieder finde.

Ich halte Reflexion für sehr wichtig und förderlich für die Weiterentwicklung.

Zusammenfassend:

  1. Ich halte viel von Reflexion und habe sie in meinen Arbeitsalltag – wie selbstverständlich – eingebaut.
    Tatsächlich schreibe ich regelmäßig Tagebuch und erkenne dabei, bei welchen Themen sich lohnen könnte, genauer hinzuschauen.
  2. Nach meine Erfahrung  gerät Nachdenklichkeit in Stress-Zeiten unter Druck. Genau dann aber ist Reflexion besonders wichtig, weil wir so Lösungen (er-) finden könnten.
    Wenn der Druck einmal zu groß wird, suche ich zuerst kollegiale und dann professionelle Unterstützung, z.B. in einer Supervision.
  3. Schließlich habe ich mir im Rhythmus von zwei-einhalb Monaten Reflexionszeiten in meinen Kalender eingetragen, an denen ich über meine Arbeit, Ziele und den nötigen Entwicklungsbedarf nachdenke. – So soll Reflexion auch in Druckzeiten nicht vergessen werden.

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zuletzt bearbeitet am 30.10.2012 / 17:20 Uhr        zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Das Schuljahr auswerten und so Unterricht verbessern

Zusammenfassung

Gegen Ende des Schuljahres mit interessierten Kolleginnen und Kollegen im vertrauensvollen Austausch auf das Schuljahr zurück zu blicken kann dazu helfen,

  • sich wechselseitig kollegiale zu unterstützen
  • sich zur Selbstreflexion und zum Perspektivenwechsel anzuregen
  • die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu überprüfen und auszuweitern
  • und methodische Kenntnisse zu vertiefen und zu erweitern
  • und – im weiteste Sinne – die eigenen Professionalität zu pflegen

Gliederung

  • Alle freuen sich auf die Ferien.
  • Das nahende Ende des Schuljahres ist ein günstiger Zeitpunkt.
  • Mit anderen zusammen ist man weniger allein.
  • Wechselseitiges Vertrauen ist wichtig.
  • Auswertung im Rahmen „kollegialer Beratung“
  • Oder im Rahmen einer Gruppensupervision, zum Beispiel in Freiburg
  • Weiterführende Links

Alle freuen sich auf die Ferien.

Gegen Ende des Schuljahres sind viele Lehrerinnen und Lehrer vor allem müde und froh, dass eine Pause und die Möglichkeit zur Erholung folgt.

Das nahende Ende des Schuljahres ist ein günstiger Zeitpunkt.

Und doch möchte ich mit diesem Text empfehlen, sich etwas Zeit und Energie für einen sorgfältigen Rückblick auf das zu Ende gehende Schuljahr, die Klassen und Gruppen, die Unterrichtsverläufe, die schwierigen Situationen und auch die Erfolge zu werfen.

Mit anderen zusammen ist man weniger allein.

Nach meiner Erfahrung geht ein solcher Schritt gut in (eingeübten) Gruppen.

Wechselseitiges Vertrauen ist wichtig.

Hilfreich ist es, wenn die Personen sich schon kennen und schon eingeübt sind, sich nach einem bekannten Ablauf wechselseitig zu unterstützen.

Auswertung im Rahmen „kollegialer Beratung“

Eine bewährte Form sind Gruppen, die sich nach einem vorher vereinbarten Verfahren regelmäßig zur kollegialen Beratung getroffen haben und nun gemeinsam das Schuljahr auswerten wollen.
Eine hilfreiche Struktur für kollegiale Beratung finden sie hier [pdf; 75 KM]

Oder im Rahmen einer Gruppensupervision, zum Beispiel in Freiburg

Eine andere Möglichkeit ist eine Gruppensupervision von Lehrkräften zur Begleitung, Reflexion und Verbesserung der eigenen Arbeit.
[pdf; 132 KM; öffnet in einem neuen Tab/Fenster]

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zuletzt bearbeitet am 7. Dezember 2011            zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Der Wandel ist notwendig (Wandel lernen – 1)

Zusammenfassung

Viele Sicherheiten und bisherige Gewissheiten werden zur Zeit fraglich. Der Wandel der Rahmenbedingungen hat ein atemberaubend hohes Tempo erreicht. Bisher vertraute Lösungsansätze zeigen keine ausreichende Wirkung mehr.

Zusätzlich trauen sich Verantwortliche nur selten, ihre Wahrnehmungen, Bewertungen und Lösungsansätze klar auszusprechen. Folglich schwindet Vertrauen, denn viele Menschen spüren, dass man ihnen die Wahrheiten nicht mehr sagt.

Eine neue, gewandelte Umgangsweise mit den wichtigen Themen der Menschen ist notwendig.

Ansätze für einen „großen Wandel“ sind erkennbar.
Wir können diese Ansätze stärken: Kleine Schritte von Vielen in die neue Richtung können eine lange andauernde Wirkung erzeugen.

Mit diesem Artikel beginne ich eine  neue, thematische Reihe zum „großen Wandel“.

Gliederung

Die Menschen spüren die vielen Unstimmigkeiten und offenen Fragen.

Immer mehr Menschen spüren, dass unsere Art zu leben, zu wirtschaften und mit unserer Umgebung umzugehen, in Sackgassen führt. Viel besprochene Stichworte dazu sind:

  • Umwelt- und Klimakrise
  • Hypotheken-, Banken- und Wirtschafts-Krise
  • Schwindendes Vertrauen in Politiker/innen und ihre Lösungsfähigkeiten
  • fortdauernder Schwund an Anerkennung von Institutionen
  • Zweifel an einer faire Regelung von Ausgleich und Solidarität
  • mehr und mehr auch Nachdenklichkeit und Veränderungsimpulse im Persönlichen

Große politische Fragen werden zur Zeit nicht zufriedenstellen geklärt:
Unser Handeln schädigt das Öko-System der Erde: Klima-Krise

Mitte Dezember sucht eine große und hochgradig besetzte Konferenz zur Klima-Problematik in Kopenhagen nach verbindlichen Verabredungen zum Schutz des Welt-Klimas. Aber die eingeübten Politik-Rituale verhindern einen qualitativen Sprung und am Ende kam eine politische Absichtserklärung heraus, die für viele Interessierte niederschmetternd arm an Substanz ist. Zudem wurde diese Erklärung vom Plenum der Konferenz nur „zur Kenntnis genommen“, ist also nicht verbindlich. Und die Probleme werden wieder nicht ausgedrückt sondern verkleistert oder verkleidet.

Große wirtschafts-politische Fragen bleiben ungeklärt:
Welche Wirtschaftordnung wollen wir in Zukunft?

Auch die zukunftsweisende Konsequenzen aus der Hypotheken-, Bank- und Wirtschaftskrise kann ich nicht erkennen. Eher scheint das gewohnte und eingeübte Verhalten nach den Erschütterungen wieder rekonstruiert zu werden und wir leben alle weiter, wie vorher – bis zur nächsten Krise.

Die Frage, wie immer weniger Menschen mit ihrer Erwerbsarbeit immer mehr ältere Menschen nach deren Erwerbsphase versorgen und wie die Kranken- und Pflege-Kassen die neuen Herausforderungen bewältigen sollen, ist meiner Wahrnehmung nach ungeklärt.

Jene, die es wagen, die Offenheit dieser Fragen anzusprechen, werden lächerlich gemacht oder der Schwarzmalerei bezichtigt.

Die Antwort wird aber nicht gegeben.

Die Frage nach Gerechtigkeit ist nicht geklärt:
Viele fühlen sich ungerecht behandelt.

Die Frage nach der Gerechtigkeit in unserer reichen Wissens-Gesellschaft wird zur Zeit nicht zufriedenstellen beantwortet.

Immer mehr Menschen arbeiten in mehreren „Beschäftigungs-Verhältnissen“ und haben immer noch zu wenig.
Die EU hat ein Kampagnen-Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ausgerufen. Bisher hatte ich davon nichts wahrgenommen. Nun – im März 2010 – erfahre ich per Zufall davon: Zur Startseite für die deutschen Aktivitäten geht es hier.

Andere Teile der Gesellschaft haben schlicht so viel, dass sie unmöglich verbrauchen können, was sie besitzen.

Angesichts dieser immer schärfer klaffenden Schere zwischen Armen und Reichen fühlen sich diejenigen, die weniger haben, als für ein menschenwürdiges Leben notwendig ist, ungerecht behandelt. (Quelle: Eine aktuelle Studie des DIW, siehe Wochenbereicht 24/2010 – pdf)

Die Viel-Besitzenden fühlen sich ebenso ungerecht behandelt, wenn sie zusätzlich belastet werden sollen.

Alternative Konzepte, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, werden mehrheitlich nicht ernsthaft diskutiert.

Dass die Frage nach einer gerechten Verteilung der Lebensmöglichkeiten und damit die Frage nach der Verteilung des objektiven Reichtums bislang ungelöst ist, liegt sicher auch daran, dass ernste Alternativen nicht oder nicht ausreichend diskutiert werden.

Auch hier fehlt der Mut, einmal ehrlich zu sagen, dass die lohnabhängige Besteuerung und die lohnabhängige Absicherung der Sozialsysteme sicher in eher kürzerer als längererer Frist nicht mehr funktionieren wird.

Der Mangel an mutigen und klaren Aussagen führt zu Vertrauensverlust.

Wenn Menschen die Erfahrung machen, dass man ihnen die Wahrheit vorenthält, ziehen sie daraus ihre Schlüsse: Sie verlieren das Vertrauen.

So hat eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung ein starkes Misstrauen gegenüber den Politiker/innen ermittelt. eine Pressemitteilung der Stiftung fasst wichtige Punkte zusammen und die Studie „Vertrauen in Deutschland“ vom Dezember 2009 finden sie hier (als download, pdf, 2,1 MB).

Diskutieren Sie mit!

Selbstverständlich bin ich nicht der einzige, der sich über diese Vorgänge und die not-wenigen Wandlungen Gedanken macht.

Vielleicht haben Sie Interesse, Ihren Beitrag dazu zu schreiben. – Über Kommentare und Rückmeldungen freue ich mich.

Bei Gelegenheit werden weitere Beiträge zu dieser Reihe folgen.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 20. Oktober 2011 / 09:03 Uhr       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

burnout – arbeiten bis zum Ausbrennen

Kurz-Beschreibung Burnout:

Burnout ist eine sehr drastische Reaktion des menschlichen Körpers auf eine andauernde Überlastung, allermeist durch sehr belastende Arbeitsbedingungen und den entsprechenden Umgang damit ausgelöst.
Wesentliche Anzeichen und Warn-Signale sind:

  • fortdauernde Erschöpfung
  • Unfähigkeit, „abzuschalten“ und sich zu distanzieren
  • verlorene Erholungsmöglichkeiten
    (sich nach dem freien Wochenende oder dem Urlaub immer noch dauer-müde und unerholt zu fühlen)

Burnout bedarf auf jeden Fall einer sachkundigen Behandlung.

Ein Film-Tipp zum oft tabuisierten Thema burnout:

Am 17. November 2009 findet ein Themenabend auf arte zum Thema burnout – Schuften bis zum Umfallen statt.

Auf der Website der Fernsehanstalt arte finden Sie ein Video als Vor-Premiere der Gemeinchaftsproduktion von arte und ndr aus dem Jahr 2009:

„Ausgebrannt – wenn nichts mehr geht.“
Ein Dokumentarfilm von Ingolf Gritschneder

Den Film habe ich mir als Vorpremiere auf arte.tv angeschaut und bin begeistert: Die Betroffen wirken auf mich sehr authentisch und die fachlichen Kommentare kundig und zielführend.
Der Film macht die Dramatik dieses Syndroms deutlich und vermeidet es wohltuend, reißerisch oder marktschreierisch zu sein. –
Ich bin gespannt auf den Themenabend und wünsche diesem Film und diesem Thema viel Aufmerksamkeit.
Meinen Respekt den Filme-Machern und den Programm-Verantwortlichen!

Herzlichen Dank der Kollegin Gisela Bautz (Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule, Freiburg) für den hilfreichen Hinweis.

Ich wünsche Ihnen hinreichende Aufmerksamkeit für Ihre Gesundheit!

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Weiterführende Hinweise und Links

zuletzt bearbeitet am 22. Juli 2010 / 19.33 Uhr           zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

frei entscheiden (Profession Supervision, 5)

Zusammenfassung

Entscheidungs-Freiheit möchten viele selbstbewusste Menschen für sich erreichen. – Diese Freiheit lockt und hat einen Preis: Wir werden verantwortlich für unsere Entscheidungen. Dies bedeutet – je größer die Auswahl ist – auch eine größere Mühe und ein größeres Risiko zu scheitern.
Supervision und Coaching können komplexe Entscheidungen begleiten und die notwendige Umsetzungsschritte unterstützen.

Gliederung

Wahlfreiheit wird vielfach und vielfältig angestrebt.

Im privaten Bereich (Freizeit, Hobby oder Familie) und auch im Beruf schätzen die meisten Menschen, wenn sie eine Auswahl treffen können: Wahlfreiheit gilt als eine erstrebenswerte Möglichkeit. Aus ihr heraus können wir uns selbst als Handelnde empfinden. Darum schätzen viele die Wahlfreiheit.

Wer gestalten möchte, wer mitentscheiden möchten, wie sie/er leben will und wie ihre/seine Umgebung aussehen soll, benötigt die Möglichkeit zur Auswahl.

In Herausforderungen hilft es, aus mehren Möglichkeiten auswählen zu können.

In Konflikten, Konfrontationen oder Entscheidungssituationen wird es allgemein als sehr viel angenehmer erlebt, wenn wir aus mehreren Möglichkeiten auswählen können.

Aus Sicht des Supervisors kann ich nur nachdrücklich dazu raten, sich mehrere Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Andernfalls entsteht eine Art „Automatismus“ im Handlungsablauf – oft mit einer Tendenz zur Verschärfung oder gar zur Entweder-Oder-Struktur.

Die Freiheit, zu entscheiden, kann auch als anstrengend empfunden werden.

Mit zunehmender Möglichkeit, sich zu entscheiden, entsteht auch eine Art von Entscheidungs-Zwang. Dies kann als anstrengend erlebt werden.

In der Fach-Literatur wird diese Erscheinung auch unter dem Begriff „Modernisierungs-Falle“ behandelt:
Weil wir die Wahl-Möglichkeit haben, müssen wir auch entscheiden.
Weil wir entscheiden können, sind wir auch in vollem Umfang für eine vielleicht nicht optimal getroffene Wahl verantwortlich.

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit;
das ist der Grund,
warum die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.

George Bernard Shaw: Das war Bernard Shaw

zitiert nach www.zitate-aphorismen.de

Wie können wir unterscheiden, ob wir uns für mehr Wahlfreiheit oder innerhalb gegebener Rahmenbedingungen mit „kleinerer Freiheit“ engagieren wollen?

Im einen Fall werden wir eingeladen, uns gegen rigide oder als unmenschliche empfundene Bedingungen in Gesellschaft und Arbeit zu wehren: wir engagieren uns für mehr Freiheit oder einen höheren Beteiligungsgrad.

Im anderen Fall kann es auch sein, dass wir uns dafür entscheiden (!), Bedingungen zu akzeptieren und – in von irgendwo anders her bestimmten Rahmenbedingungen – den verblieben Spielraum zur Auswahl von Haltungen und Handlungen zu gestalten.

Die Unterscheidung, wann eine Wahl-Möglichkeit unbedingt gefordert werden soll und wann des angemessener und realistischer erscheint, die Rahmenbedingungen zu akzeptieren und innerhalb des Rahmens dann zu gestalten, ist eine schwer wiegende Unterscheidungsfrage und wahrscheinlich nur mit viel Lebens-Erfahrung zu entscheiden.

Supervision und Coaching fördern die Analyse.

Supervision und Coaching sind Gelegenheiten, Situationen gründlich zu betrachten, Faktoren zu beschreiben, Zusammenhänge zu finden und darzustellen.

Sie regen zur Nachdenklichkeit und einer Suchbewegung im Verständnis von Situationen an.
Aus diesen Analysen und Verstehens-Versuchen ergeben sich neue Blickwinkel.

Supervision und Coaching fördern die Fähigkeit, zu unterscheiden.

Die schon beschriebene Frage „Wann ist ein Einsatz für mehr Wahl-Möglichkeiten und wann eine Sich-Einrichten mit den vorgegebenen Rahmenbedingungen sinnvoll?“ bedarf in jedem gewichtigen Falle einer sorgfältigen Prüfung, wollen wir nicht zu konformen Pragmatikern, ja Opportunisten werden.

Es gilt einen Standpunkt zu finden zwischen einem fortdauernden, auszehrenden Aufbegehren gegen alles und jeden und einer habitualisierten Anpassung an jede Situation.

Manche wachen Autoren regen an, auch aktuelle Kultur- und Selbst-Techniken sorfältig zu durch-schauen. Sie finden beispielsweise hinter so hilfreichen Instrumenten wie Zeitplanung und Ziel-Management die Verlockung, in „vorauseilendem Gehorsam“ schon Selbstbeschneidung und Anpassungsleistung zu vollbringen, die früher strenge Vorgesetzte und wilde Ausbeuter nicht fertig gebracht hätten. (Stichwort „Gouvernementalität“, z.B. in: Bröckling, Krasmann, Lemke: Gouvernementalität in der Gegenwart. suhrkamp: Frankfurt am Main, 2000)

Supervision und Coaching unterstützt, die Anzahl der Möglichkeiten zu erhöhen.

In Supervision oder Coaching wird häufig nach dem ethischen Imperativ von Heinz von Foerster verfahren:

„Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“

Der gelernte Physiker und Kybernetiker hat das systemische Denken wesentlich angeregt. So hat er auch regelmäßig darauf verwiesen, wie wesentlich unsere Wahrnehmung für unsere Konstruktionen von Wirklichkeit sind.

Supervision und Coaching begleiten den Auswahlprozess.

Wenn mehrere Möglichkeiten der Haltungen und möglichen Handlungen gefunden sind, wird sinnvollerweise eine Auswahl stattfinden. Diesen Klärungsprozess kann Supervision oder Coaching begleiten.

Supervision und Coaching kann den Umsetzungsprozess nach einer Wahl unterstützen.

Nach der Entscheidung folgt die Aufgabe, diese in Handlungsschritte – auch gegen Widerstände anderer und eigener, älterer Gewohnheiten – umzusetzen.

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Weiterführende Links

Artikel-Reihe zur „Profession der Supervision.

Diese Reihe wird in loser Folge fortgeführt.

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zuletzt bearbeitet am 14. April 2010 / 21:09 Uhr                     zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

selbstmotiviert lernen (4): sich ehrlich in Beziehung bringen

Zusammenfassung und Gliederung

Oft spielen wir anderen und uns selbst eine – meist künstlich-fröhliche – Rolle vor.
Wenn wir uns trauen würden, zu zeigen, wer wir wirklich sind, könnten wir damit in Beziehung treten.
Danach sehnen sich viele Menschen.

Ein ehrliches Gespräch tut gut.

Neulich, nach der Arbeit ergab sich ein spontanes Gesprächmit unerwarteter Offenheit von beiden Seiten.
Niemand wollte dem anderen etwas vorspielen oder vortäuschen.
Diese Ehrlichkeit tut gut.

Ich frage mich selbst,
warum ich mich das nicht mehrfach traue.

Oft erwarten wir von uns und anderen fortdauernd gute Laune.

Niemand mag dauernd schlecht gelaunte Zeitgenossen.

Umgekehrt, die immer und alltäglich gut gelaunten Dauer-Lächler sind doch auch nicht gut zu ertragen:
Mein Leben verläuft nicht so, dass ich immer lachen kann.
Ich vermute, dass dies keine Ausnahme ist.

Selbstverständlich bin ich gerne erfolgreich.

Ich strebe den Erfolg gerne selbst an.

Allerdings ist es wohl kaum realistisch, den Dauer-Erfolg zu behaupten.
Das ist fast immer unwahr! –
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgend jemandem immer alles glückt.
Wenn ich genauer hinschaue, erkenne ich bei mir und anderen ein realistisches Spiel von Aufs und Abs.

Masquerade von Aziz K. – ein Kurzfilm

Im Blog von Daniel Mihajlovic fand ich den Hinweis auf einen nachdenklich machenden Kurzfilm, den ich hier gerne weiter bekannt mache:

Masquerade von Aziz K. via Vimeo.

Ich bin begeistert, wie in dieser kurzen Sequenz so viel Erfahrung dargestellt wird.

Auch die verbreitete Traurigkeit darüber wird deutlich, wie wenig sich Menschen gegenseitig ehrlich zeigen und zumuten.

Und es gibt noch andere Erfahrungen:

Wer sich ehrlich zeigt, tritt damit in Beziehung.

Meine Erfahrung ist es, dass eine ehrliche Aussage über sich selbst Beziehung anbahnen und vertiefen kann.

Das geht nicht immer, aber es geht wahrscheinlich öfter, als ich es mich selbst traue.

In ehrlichen Beziehungen gelingt existentielles Lernen, das heißt, man kann (sich und andere) erziehen.

Eine weitere, für mich wichtige Erfahrung ist, dass ehrliche Beziehung auch in der Erziehung und Förderung von Kindern und Jugendlichen eine wesentliche Bedeutung hat. – Ich habe über die Jahre gerlernt, dass ehrliche Beziehungen die Grundlage der Erziehung eigener Kinder und von Kindern und Jugendlichen in der Jugendarbeit und auch in der Schule darstellt.

Der dänische Familien-Berater Jesper Juul beschreibt diese Grundhaltung der Gleichwertigkeit von Kindern und Jugendlichen in seinem Bestseller „Das kompetente Kind“ sehr anschaulich, glaubwürdig und für mich erhellend. – Ich habe von diesem Perspektiven-Wechsel sehr profitiert und wünsche dies möglichst vielen anderen, die mit Menschen umgehen, auch.

Welche Aufgabe hat Supervision für ehrliche Beziehungen?

Sollte jemand sich für diesen Weg entschieden haben, so kann in Supervision diese Entscheidung für eine andere Verhaltensweise unterstützt werden:

  • eingeübtes Rollen- und Beziehungs-Verhalten kann mit Hilfe der Supervision bei sich selbst entdeckt werden
  • diese Rollen und Verhaltens-Routinen wurden im Leben durch bestimmte Rahmenbedingungen entwickelt und trainiert. Diese Geschichte kann man unter Supervision teilweise rekonstruieren.
  • unterscheiden, welche Rollen und Gewohnheiten sinnvolle Entlastung darstellen und welche hinderlich sind
  • alternative Verhaltensmöglichkeiten entwickeln und einüben.

Wie denken Sie darüber?

Über Rückmeldungen und Diskussionsbeiträge freue ich mich.

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Weiterführende Links

Dieser Beitrag gehört zur Reihe „selbstmotiviert lernen“:

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zuletzt bearbeitet am 17.05.2013      zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Profession Supervision (4): Gute Berater sind vernetzt.

Zusammenfassung und Gliederung

Die meisten Beraterinnen und Berater raten ihren Klienten zu Synergie und Qualität fördernden Vernetzungen. Da liegt die Erwartung nahe, dass gute Beraterinnen und Berater sich ebenfalls vernetzt haben:  Zu kollegialer Anregung und Kontrolle, zu fachlichen Diskursen und zum gemeinsamen Vertreten wichtiger berufspolitischer Inhalte.

Die Umwelt der Arbeit und der Freizeit der Menschen wird immer mehr vernetzt.

Das ist schon ein Allgemeinplatz: Moderne Arbeitsfeldern werden immer komplexer – alles ist mit anderen Faktoren und Subsystemen vernetzt.

Diese Zunahme der Komplexität findet sich auch im Freizeit- und Erholungsbereich der arbeitenden Menschen.
(Vielleicht ist ein Teil der gefühlten Zunahme an Komplexität auch durch eine genauere Erfassung und unsere Wahrnehmung bedingt.)

Die Zunahme der Komplexität kann man auch als Zunahme des Grads der Vernetzung beschreiben.

Insgesamt werde moderne Wissensgesellschaften immer häufiger als komplexe Netzwerke beschrieben und gedeutet.

Komplexe Strukturen werden gut von vernetzten Berater/innen beraten.

Um komplex zusammenhängende Strukturen (Organisationen, Systeme) gut beraten zu können, benötigen die beratenden Personen umfangreiche Kenntnisse, Fertigkeiten und Intuitionen. Eine solide Berater/innen-Ausbildung ist dazu ein Grundstock, reicht aber vielfälltig nicht mehr aus.

Hier kommt kollegiale Kompetenz-Netzwerke ins Spiel: Was ich selbst nicht mehr durchschaue, wo ich selbst Fragen und Unsicherheiten habe, berate ich mich mit kompetenten Kolleg/innen und lasse mich von deren Einfällen, wissen und Verfahren  unterstützen.

Manche Projekte sind auch sinnvoll, im Team von Berater/innen zu begleiten.

Berufsständige Vernetzung von Supervisor/innen

  • Die schweizer Kolleginnen und Kollegen haben sich bereits 1976 als Berufsverband zusammengeschlossen, des heutigen BSO – Berufsverband für Supervision, Organisationsberatung und Coaching.
    Mehr Informationen unter: http://www.bso.ch
  • Seit 1988 gibt es den kollegialen Zusammenschluss der FVS, Freiburger Vereinigung von SupervisorInnen e. V.
    Hier haben sich Supervisorinnen und Supervisoren aus dem Großraum Freiburg zu gemeinsamer Fortbildung, Berufspolitik und gemeinsamem Marketing zusammen geschlossen. Der Verein gibt regelmäßig eine Art Branchenbuch für Supervisor/innen rund um Freiburg heraus und betreibt eine Website mit Berater/innen-Suchmaschine: http://www.supervision-freiburg.de
    Hier bin ich als Mitglied im Leitungsteam engagiert.
  • Dieses Jahr im Mai feiert die  DGSv – Deutsche Gesellschaft für Supervision – ihre zwanzigjährige Gründung.
    20_jahre_dgsv_orange
    Dieser große Berufsverband vertritt hohe Ausbildungs- und Berufsstandards und engagiert sich für die Weiterentwicklung der Profession.
    Mehr erfahren Sie hier: http://www.dgsv.de
    Hier engagiere ich mich als Sprecher der DGSv-Regionalgruppe Freiburg.

Kontrollsupervisionen und Intervisions-Gruppen

Die Berufsverbände verpflichten ihre Mitglied zu Mindestandards.

Ein solcher Standard ist die Ausübung der Profession „nach den Regeln der Kunst“, also auf der Höhe der Theorie-Entwicklung und der bewährten Praxis.
Dies bedeutet auch fachliche Kontrolle dies Anspruchs an die eigenen Beratungs-Arbeit.

Für die Qualitätssicherung von Supervisoren und Coachs haben sich Intervisions- oder Kontrollsupervisions-Gruppen bewährt:

  • regelmäßige Treffen unter Leitung eines Supervisors (Kontrollsupervision) oder kollegial geleitet (Intervision)
  • fachlicher Austausch über die Beratungsfälle
  • die Fälle sind anonymisiert, d. h.Vertraulichkeit ist garantiert

Mich selbst unterstützt meine Intervisionsgruppe bei kniffligen Fällen und regelmäßig bei der Überprüfung meiner Beratungs-Angewohnheiten (Ja, auch die gibt es!).

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weiterführende Links

Dieser Artikel gehört zur Reihe „Profession Supervision“.

Diese Reihe wird in loser Folge fortgeführt.

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Zuletzt leicht überarbeitet am 7.08.2013 Uhr zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Schule verbessern (2): reflektieren und Lernen organisieren

Zusammenfassung

Schulen haben das Ziel, Schüler/innen in ihrem Lernen zu fördern,
während sich unsere  Welt in rasenden Tempo verändert.
Dies bedeutet, dass auch die Institutionen des Lernens (Schulen und  Fortbildungseinrichtungen) sich weiter entwickeln müssen, um ihre Ziele zu erreichen!

Meine Erfahrung mit Institutionen sind allerdings, dass einmal entwickelte und eingeübte Abläufe selten nochmals überdacht werden und so Entwicklungen nicht stattfinden.
Regelmäßige Reflexionen können allen an Schulen Beteiligten zum Lernen und zur Weiterentwicklung helfen.

Gliederung

Vom Ziel der Schule her denken: „Lernen möglich machen“

Wie im ersten Text zu dieser Reihe schon angedeutet, halte ich es für wesentlich, dass die Schulen selbst zu lernenden Organisationen werden.

Denn das Haupt-Ziel schulischer Einrichtungen ist es, Lernprozesse (besonders für die Schülerinnen und Schüler dort) möglich zu machen.

Dieses Ziel kann umso wirksamer angesteuert und umso glaubwürdiger vertreten werden, je konsequenter es auch auf die eigene Praxis (des Unterrichtens und der Verbesserung der Schul-Organisation) angewendet wird.

Dafür benötigen die Lehrkräfte und die Leitenden eine entsprechende Haltung:
„Es gibt noch etwas zu lernen!“

Wer schon annimmt, dass sie oder er schon alles weiß, wird konsequenterweise aufhören zu lernen. Dass ich es grundsätzlich für nicht realistisch halte, habe ich im ersten Artikel zu dieser Reihe schon ausführlich dargestellt: Die Welt, unsere Umwelt, ändert sich zu schnell, um tatsächlich annehmen zu können, wir hätten schon alles Notwendige gelernt.

Selbst beschreibe ich mich als neugierigen Menschen und ich vermute, dass diese Fähigkeit, andere Sichtweisen und andere Menschen interessant zu finden, mir viele Freude an meinem Umgang mit Schülerinnen und Schülern ermöglicht.
Ich nehme tatsächlich an und werde darin fast täglich bestätigt, dass ich noch etwas dazu-lernen kann. – In dieser Haltung bin ich bereit, mir Neues beizubringen und beibringen zu lassen.

Ein wesentlicher, erster, einfacher und hoch wirksamer Schritt: „regelmäßig reflektieren“

Wer immer aktiv ist und nicht auch einmal in Ruhe zurück schaut, wir nur zufällig ungünstige Verhaltensweisen entdecken und sich einen mühsamen Weg immer und wieder vornehmen.

Ich schlage vor, regelmäßig nach Aktivitäten, Projekten oder Arbeitszeiträumen auch auszuwerten – neudeutsch: zu reflektieren.
In der Reflexion werden die Ziele mit den Erträgen verglichen und die förderlichen und hinderlichen Faktoren und Verhaltensweisen benannt. So kann jemand entdecken, wie ein Ziel günstiger (einfacher, weniger anstrengend oder auch effektiver – oder: ohne weniger Ärger bei Betroffenen) erreicht werden kann.
Manchmal führt eine solche Reflexion auch dazu, die Ziele selbst zu hinterfragen – oder auch zu bemerken, dass die Zielvorstellungen gar nicht vorhanden oder undeutlich sind.

In einem der nächsten Beiträge in dieser Reihe werde ich dies am Beispiel des nachhaltigen Lernens deutlich machen und dazu einen Vorschlag vorlegen.

Auch Kommentare sind mir herzlich willkommen!

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Weiterführende Links:

Dieser Beitrag gehört zur Reihe “Schule verbessern”:

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Zuletzt geändert am 11. Mai 2013                zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Profession Lehrkraft (6): passende Arbeitsstrukturen entwickeln

Kurze Zusammenfassung und Gliederung

Lehrkräfte sind gut beraten, wenn sie ihren Arbeitsalltag klug gestalten und sich dabei entlastende Routinen erfinden – wie sich dies in vielen anderen Berufen mit Gestaltungsspielraum auch bewährt haben.

Zur Professionalität von Lehrkräften zähle ich wesentlich

  • persönliche Kompetenz (persönliche Bewusstheit, Selbstreflexivität, Lernbereitschaft, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und Glaubwürdigkeit)
  • ausgewiesene Fachkompetenz für die unterrichteten Fächer
  • pädagogische Kompetenz (Zielgerichtetheit des pädagogischen Verhaltens auf dem Hintergrund eines eigenen pädagogischen Konzeptes)

Passende Rhythmen für die Arbeit

Was manche Neider den Lehrkräften gerne vorwerfen „vormittags recht und nachmittags frei!“, war schon immer falsch. Das Körnchen Wahrheit in diesem Sponti-Spruch ist die Freiheit vieler Lehrkräfte, sich für einen Teil der Arbeitszeit eine eigene Zeit-Struktur zu gestalten. Für manche Kolleg/innen ist dies allerdings auch eine Last.
Tatsache ist, dass die Unterrichtszeiten und die Lehrpläne vorgegeben sind.
Nicht vorgegeben ist, wie der Unterricht vorbereitet, nachbereitet und weiter entwickelt wird. In meiner Lehrer-Ausbildung wurde zum Thema „Selbst-, Zeit- oder Ziel-Management“ nichts gelehrt. Was ich in diesem Kompetenzbereich kann, habe ich in der Jugendarbeit und in Fortbildungen kennen gelernt und über eine reflektierte Praxis in einem guten Team eingeübt.

Ähnlich wie Freiberufler/innen (Dieses Feld kenne ich aus eigener Anschauung.) ist es für Lehrkräfte demnach wichtig, Tages-, Wochen- und Jahres-Strukturen für die Arbeitsverteilung einzuüben.

Tages- und Wochen-Struktur

  • eine eigene und angepasste Tagesstruktur mit hilfreichen, weil entlastenden Routinen zu entwickeln.
  • Wie andere Berufsgruppen mit Gestaltungsspielräumen haben auch Lehrkräfte ihre Arbeit zu planen, nach Prioritäten zu gewichten und die Tätigkeiten in die verfügbare Zeit einzuplanen.
  • Oft werden dabei nach meiner Beobachtung an mir selbst und an anderen die Nachbereitung von Unterricht und die Dokumentation von Ideen für die Verbesserung vernachlässigt.
  • Selbst entlaste ich mich mit Checklisten für Routine-Abläufe und Standard-Formaten für die Vor- und Nachbereitung von Unterricht.
  • Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, in Wochen zu planen und plane daher in jeder Woche Arbeitszeiten für die Reflexion von Unterricht und die Weiterentwicklung von Unterrichtsansätzen ein, damit der Alltag nicht genau diese für den Erfolg von Unterricht so wichtigen Tätigkeiten „auffrisst“.
    Ich hänge für jede Woche ein Blatt in mein Planungs-Buch – günstig bei der Firma ORG-Rat per Direkt-Versand zu bekommen.
    So sieht ein solcher Wochen-Plan bei mir aus:
Ein Planungs-Raster für jede Woche

Mein Raster für die Wochenorganisation

Meine Vorlage für das Schuljahr 2011/2012 können Sie als WORD-Datei hier herunterladen und für sich bearbeiten. Ich finde, diese einmalige Mühe für die routinierte Vorbereitung der Unterrichtswochen lohnt sich.

Ein guter Rhythmus für das Schuljahr

  • Unterrichtseinheiten und Klassenarbeiten/Klausuren sollen auch mit Rücksicht auf die Arbeits- und Lerneffektivität für die Schüler/innen in den Ablauf eines Unterrichtsjahres eingepasst werden.
  • Ein anderer Blick ergibt sich aus der verträglichen Verteilung von Korrektur-Zeiten für die Lehrerinnen und Lehrer über das Schuljahr hinweg.
  • In unterrichtsfreien Zeiten – landläufig auch „Schulferien“ genannt- plane ich konzentrierte Phasen, in denen ich neue Unterrichtsansätzen und neue Inhalte erarbeite.
  • Nach Abschluss größerer Unterrichtseinheiten und mindestens zu Halbjahren sind Zwischen-Reflexionen sinnvoll:
    > Habe ich meine Ziele erreicht?
    > Woran erkenne ich dies?
    > Möchte ich etwas verändern?
  • Insgesamt empfinde ich das Arbeitsjahr – hier also das Schuljahr – als sinnvolle Zeiteinheit für die Zielplanung. Am Ende des auslaufenden und zu Beginn des neuen Schuljahres sind Zeiten für die Formulierung von Zielen (inklusive einer Abwägung, welche Ziel-Möglichkeiten sinnvoll und auch wirklich leistbar sein werden) einzuplanen.
  • Auch die tatsächlichen Urlaubswochen gehören in diesen Plan eines Schuljahres.

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Hilfreiche Links

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zuletzt leicht überarbeitet am 9. November 2016 / 20:20 Uhr zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Profession Lehrkraft (5): Amoklauf – Was tun wir?

Zusammenfassung und Gliederung

Nach dem ersten Schock sind Eltern, Lehrer/innen und Erzieher/innen aufgefordert, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Gespräche in den Gruppen über deren Eindrücke und Bewältigungsversuche sind dringend notwendig.
Die reflexartige Suche nach Schuldigen führt oft in Sackgassen.
Wie kann Schule menschlicher gestaltet und Schüler/innen und Lehrkräfte entlastet werden?

Zur Professionalität von Lehrkräften zähle ich wesentlich

  • persönliche Kompetenz (persönliche Bewusstheit, Selbstreflexivität, Lernbereitschaft, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und Glaubwürdigkeit)
  • ausgewiesene Fachkompetenz für die unterrichteten Fächer
  • pädagogische Kompetenz (Zielgerichtetheit des pädagogischen Verhaltens auf dem Hintergrund eines eigenen pädagogischen Konzeptes)

Schock und Angst

Einen Tag nach einem blutigen Amoklauf eines bisher nicht auffälligen Schülers sind viele schockiert. Andere haben Angst, weil die Tat nach bisherigem Informationsstand nicht angekündigt war und daher auch nicht voraussehbar war. Da stellen sich viele die Frage: Kann so eine Tat auch an unserer Schule geschehen?

Material zur ersten Bearbeitung für sich selbst und im Unterricht

Julia Born von rpi-virtuell.net hat eine Zusammenfassung von Pressemeldungen und hilfreichen Links zur Arbeit zum Thema zusammen gestellt.

In dieser Linksammlung wird auch auf die Meinung des Kriminalpsychologen Jens Hoffmann von der TU Darmstadt verwiesen, der in einem Interview des Deutschlandradios vom 11. März 2009 Krisenteams an jeder Schule fordert und behauptet, das Gefährdungspotential einschätzen zu können.

Mir ist wichtig, auf die Notwendigkeit kollegialer Gespräche, Selbstversicherungen und die Entwicklung gemeinsamer Positionen im Kollegium hinzuweisen.

Auf jeden Fall erscheint mir dringend notwendig, dass in Schulklassen und Oberstufen-Kursen über die Fragen von Umgang mit Frustration, Enttäuschung und gar der Wahrnehmung, dass eine Klassenkameradin oder ein Klassenkamerade an die Grenzen gekommen ist und alleine nicht mehr weiter weiß, gesprochen wird. – Oft ist dies schon ein erster, wichtiger Schritt: Zu bemerken, dass man mit seinem Gefühl von Ärger und Wut nicht alleine steht. Und – wenn es gut geht – auch noch, dass andere – auch Lehrkräfte – dafür Verständnis aufbringen können.
Als Religions-Lehrer habe ich hier Möglichkeiten und Frei-Räume, die ich gerne für gewalt-präventive Unterrichts-Inhalte nutze.

Schule scheint für manche Jugendliche schrecklich zu sein.

Diese Tat macht meines Erachtens deutlich, dass unsere Schulen für manche Schüler/innen als schrecklich, beschämend, unterdrückerisch und unfair erlebt wird.

Ich fand dazu ein Youtube-Video von Swiss. In einem Rap wird versucht, das Erleben eines Amokläufers darzustellen:


direkt zu Youtube

Für mich stellen sich viele Fragen.

Manche stelle ich mir immer wieder.
Zu manchen Fragen habe ich Antwort-Ideen:

  1. Wie können Lehrerinnen und Lehrer ihren Kontakt mit Schülerinnen und Schülern so gestalten, dass möglichst wenig Kränkungen, Erniedrigungen, Abwertungen oder Stigmatisierungen dabei geschehen?
    Erste Ideen:
    > offen und nach Leistungsstand und Lern-Tempo differenziert unterrichten
    > in arbeitsfähigen Gruppen (bis maximal 25 Personen)
    > methodisch vielgestaltig
    > und mit möglichst hohen Freiheitsgraden
  2. Welche Wege können wir für die Bearbeitung solcher Erfahrungen erfinden, so dass Druck abgebaut werden kann und es nicht zu einem finalen Druck-Abbau in einem Amoklauf kommen muss? –
    Erste Ideen:
    > Ausbau der Beratungsmöglichkeiten in und um die Schule
    > und Ergänzung der Schulteams um sozialpädagogische und psychologische Fachpersonen: – Allerdings kostet Personal Geld. Dafür müssen sich politische Entscheidungsträger entscheiden. Diese können von mündigen Wählerinnen und Wählern darauf angesprochen und dafür motiviert werden. – ehrlicherweise muss man aber dazu sagen: Dann kann dieses Geld nicht an anderer Stelle für andere Zwecke eingesetzt werden.
  3. Wie können wir Schule gestalten, dass Schüler/innen darin Erfolgserlebnisse und nicht Frust erfahren?
    Erste Ideen:
    Erste Ansätze siehe Frage 1 und weitere Ansätze und Sammlungen bewährter Praktiken gibt es tatsächlich in reformpädagogischen Netzwerken, z. B. dem Archiv der Zukunft.
  4. Wie können Belastungssituationen von Lehrkräften so bearbeitet werden, so dass die den Unterricht gestaltenden Personen selbst in einer nicht aggressiven sondern wertschätzenden Grundstimmung handeln können?
    Erste Ideen:
    > Kollegiale Fallbesprechungsgruppen oder
    > Gruppen-Supervision für Lehrerinnen und Lehrer
  5. Wann werden die für die Schulverwaltungen Verantwortlichen wahrnehmen, dass Schulen oft am Rande der Überlastung oder tatsächlich überlastet den Umgang mit Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht mehr menschlich und produktiv leisten können?
    Stichwort dazu:
    > Die Klassenteiler sind aktuell zu hoch und werden erst zu spät gesenkt.
    > Die Deputat-Belastung ist zu hoch, wenn Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich eine Lern- und Arbeitsbeziehung mit ihren Schülerinnen und Schülern aufbauen und pflegen sollen. (weiter: Kleiner Eindruck in den Alltag des engagierten Lehrers, Kai Winkler.)
    > Die Räume in den Schulen sind oft zu klein, schlecht ausgestattet und oft sind es zu wenig für sinnvollen und erfolgreichen Unterricht
    Erste Ideen:

    Das sind politische Fragen zur Verteilung von Geldern und entsprechenden Prioritätensetzungen! – Selbst bin ich an dieser Stelle eher resignativ bis sarkastisch: Ich stelle fest, dass in Sonntagsreden viel Unterstützung versprochen und im politischen Alltagsgeschäft wenig davon umgesetzt wird. Die Lehrkräfte können kaum mehr Druck erzeugen, da sind noch andere Personengruppen gefragt! – Ich rette mich in den kabarettistischen Blick.
  6. Wie werden Lehrer/innen, Schulleitungen und auch die Eltern in ihren Erziehungs- und Bildungsaufgaben unterstützt?
    Erste Ideen:
    Auch dies kostet voraussehbar Geld. Weiterführende Überlegungen gibt es natürlich auch zu dieser Frage, z.B. in Heft 3/2009 der Zeitschrift Pädagogik zu „Unterstützungssysteme“.
  7. Die Wahrnehmung der Kinder und Jugendlichen wird durch den Umgang mit modernen Medien grundsätzlich verändert und dies wird im Alltag der Familien und Schulen bislang zu oft noch ignoriert.
    Auf jeden Fall wird diese noch nicht produktiv aufgearbeitet. Und ich meine da nicht nur Gewaltspiele. -Die meine ich aber natürlich auch! – So haben Psychologen inzwischen gut erforscht, wie gewalthaltige Computer-Spiele die Tendenz zu Gewaltanwendungen fördern.Auch durch die Dauerpräsenz eines Themas werden möglicherweise der eine oder die andere zu unbedachten Taten eingeladen. Sogenannte „Nachahmungstäter“ oder „Trittbrettfahrer/innen“ drohen mit Gewalttaten und ängstigen ganze Schulen. Zum Beispiel: Amok-Lauf-Drohung an der Richard-Fehrenbach- und der Walther-Rathenau-Gewerbeschule in Freiburg. Dass die daraufhin veranlassten Einsätze viel Geld kosten und bei Feststellung der Täterschaft auch von diesen Personen bezahlt werden müssen, bedenken sie wahrscheinlich nicht.
    Erste Ideen:
    > Grundsätzlich bitte ich Erziehende über den Nutzungs-Umfang und die Nacharbeit von Medien-Nutzungen mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen nachzudenken.
    >“Elektronische Baby-Sitter“ erweisen sich möglicherweise kurzfristig als entlastend. Langfristig haben sie sicher fatale Folgen – für die Einzelperson und für das soziale Klima.
    > Alle für Schule Verantwortlichen werden sich mit dem rasanten Wandel auseinander zu setzen haben: Wir sollten nach neue Antworten auf die neuen Herausforderungen suchen. Die Such-Bewegung um die Video-Präsentation „shift happens“ von Karl Fisch kann dazu einen Anstoß gebe. (Eine deutschsprachige, etwas ältere Version findet Sie auch schon auf Youtube.) – Eine vermutlich neuere englische Version vom Herbst 2008 gibt es auch noch.
    > Eltern von getöteten Schüler/innen planen, eine kirchliche Stiftung «Stiftung gegen Gewalt an Schulen». Durch die Arbeit der Stiftung sollen Schulen in Deutschland sicherer werden, sagte Hardy Schober,
    Vorsitzender des «Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden». Kurzfristige Ziele seien die Veränderung des Waffengesetzes sowie das Verbot von sogenannten Killer-Spielen.

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Weiterführende Links

Dieser Beitrag gehört zur Reihe “Profession Lehrkraft”:

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zuletzt überarbeitet am 21. März 2013 / 9:35 Uhr zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht