Der Wandel ist notwendig (Wandel lernen – 1)

Zusammenfassung
Viele Sicherheiten und bisherige Gewissheiten werden zur Zeit fraglich.
Der Wandel der Rahmenbedingungen hat ein atemberaubend hohes Tempo erreicht.
Bisher vertraute Lösungsansätze zeigen keine ausreichende Wirkung mehr.
Zusätzlich trauen sich Verantwortliche nur selten, ihre Wahrnehmungen, Bewertungen und Lösungsansätze klar auszusprechen.
Folglich schwindet Vertrauen, denn viele Menschen spüren, dass man ihnen die Wahrheiten nicht mehr sagt.
Eine neue, gewandelte Umgangsweise mit den wichtigen Themen der Menschen ist notwendig.

Ansätze für einen “großen Wandel” sind erkennbar.
Wir können diese Ansätze stärken: Kleine Schritte von Vielen in die neue Richtung können eine lange andauernde Wirkung erzeugen.

Mit diesem Artikel beginne ich eine  neue, thematische Reihe zum “großen Wandel”.

Gliederung

Die Menschen spüren die vielen Unstimmigkeiten und offenen Fragen.

Immer mehr Menschen spüren, dass unsere Art zu leben, zu wirtschaften und mit unserer Umgebung umzugehen, in Sackgassen führt. Viel besprochene Stichworte dazu sind:

  • Umwelt- und Klimakrise
  • Hypotheken-, Banken- und Wirtschafts-Krise
  • Schwindendes Vertrauen in Politiker/innen und ihre Lösungsfähigkeiten
  • fortdauernder Schwund an Anerkennung von Institutionen
  • Zweifel an einer faire Regelung von Ausgleich und Solidarität
  • mehr und mehr auch Nachdenklichkeit und Veränderungsimpulse im Persönlichen

Große politische Fragen werden zur Zeit nicht zufriedenstellen geklärt:
Unser Handeln schädigt das Öko-System der Erde: Klima-Krise

Mitte Dezember sucht eine große und hochgradig besetzte Konferenz zur Klima-Problematik in Kopenhagen nach verbindlichen Verabredungen zum Schutz des Welt-Klimas. Aber die eingeübten Politik-Rituale verhindern einen qualitativen Sprung und am Ende kam eine politische Absichtserklärung heraus, die für viele Interessierte niederschmetternd arm an Substanz ist. Zudem wurde diese Erklärung vom Plenum der Konferenz nur “zur Kenntnis genommen”, ist also nicht verbindlich. Und die Probleme werden wieder nicht ausgedrückt sondern verkleistert oder verkleidet.

Große wirtschafts-politische Fragen bleiben ungeklärt:
Welche Wirtschaftordnung wollen wir in Zukunft?

Auch die zukunftsweisende Konsequenzen aus der Hypotheken-, Bank- und Wirtschaftskrise kann ich nicht erkennen. Eher scheint das gewohnte und eingeübte Verhalten nach den Erschütterungen wieder rekonstruiert zu werden und wir leben alle weiter, wie vorher – bis zur nächsten Krise.
Die Frage, wie immer weniger Menschen mit ihrer Erwerbsarbeit immer mehr ältere Menschen nach deren Erwerbsphase versorgen und wie die Kranken- und Pflege-Kassen die neuen Herausforderungen bewältigen sollen, ist meiner Wahrnehmung nach ungeklärt.
Jene, die es wagen, die Offenheit dieser Fragen anzusprechen, werden lächerlich gemacht oder der Schwarzmalerei bezichtigt.
Die Antwort wird aber nicht gegeben.

Die Frage nach Gerechtigkeit ist nicht geklärt:
Viele fühlen sich ungerecht behandelt.

Die Frage nach der Gerechtigkeit in unserer reichen Wissens-Gesellschaft wird zur Zeit nicht zufriedenstellen beantwortet.
Immer mehr Menschen arbeiten in mehreren “Beschäftigungs-Verhältnissen” und haben immer noch zu wenig.
Andere Teile der Gesellschaft haben schlicht so viel, dass sie unmöglich verbrauchen können, was sie besitzen.

Angesichts dieser immer schärfer klaffenden Schere zwischen Armen und Reichen fühlen sich diejenigen, die weniger haben, als für ein menschenwürdiges Leben notwendig ist, ungerecht behandelt.
Die Viel-Besitzenden fühlen sich ebenso ungerecht behandelt, wenn sie zusätzlich belastet werden sollen.

Alternative Konzepte, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, werden mehrheitlich nicht ernsthaft diskutiert.

Dass die Frage nach einer gerechten Verteilung der Lebensmöglichkeiten und damit die Frage nach der Verteilung des objektiven Reichtums bislang ungelöst ist, liegt sicher auch daran, dass ernste Alternativen nicht oder nicht ausreichend diskutiert werden.

Auch hier fehlt der Mut, einmal ehrlich zu sagen, dass die lohnabhängige Besteuerung und die lohnabhängige Absicherung der Sozialsysteme sicher in eher kürzerer als längererer Frist nicht mehr funktionieren wird.

Der Mangel an mutigen und klaren Aussagen führt zu Vertrauensverlust.

Wenn Menschen die Erfahrung machen, dass man ihnen die Wahrheit vorenthält, ziehen sie daraus ihre Schlüsse: Sie verlieren das Vertrauen.

So hat eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung ein starkes Misstrauen gegenüber den Politiker/innen ermittelt. eine Pressemitteilung der Stiftung fasst wichtige Punkte zusammen und die Studie “Vertrauen in Deutschland” vom Dezember 2009 finden sie hier (als download, pdf, 2,1 MB).

Diskutieren Sie mit!

Selbstverständlich bin ich nicht der einzige, der sich über diese Vorgänge und die not-wenigen Wandlungen Gedanken macht.

Vielleicht haben Sie Interesse, Ihren Beitrag dazu zu schreiben. – Über Kommentare und Rückmeldungen freue ich mich.

Bei Gelegenheit werden weitere Beiträge zu dieser Reihe folgen.

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Weiterführende Links

zuletzt bearbeitet am 6. Februar 2010 / 09:50 Uhr       zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

frei entscheiden (Profession Supervision, 5)

Zusammenfassung und Gliederung

Entscheidungs-Freiheit möchten viele selbstbewusste Menschen für sich erreichen. – Diese Freiheit lockt und hat einen Preis: Wir werden verantwortlich für unsere Entscheidungen. Dies bedeutet – je größer die Auswahl ist – auch eine größere Mühe und ein größeres Risiko zu scheitern.
Supervision und Coaching können komplexe Entscheidungen begleiten und die notwendige Umsetzungsschritte unterstützen.

Wahlfreiheit wird vielfach und vielfältig angestrebt.

Im privaten Bereich (Freizeit, Hobby oder Familie) und auch im Beruf schätzen die meisten Menschen, wenn sie eine Auswahl treffen können: Wahlfreiheit gilt als eine erstrebenswerte Möglichkeit. Aus ihr heraus können wir uns selbst als Handelnde empfinden. Darum schätzen viele die Wahlfreiheit.

Wer gestalten möchte, wer mitentscheiden möchten, wie sie/er leben will und wie ihre/seine Umgebung aussehen soll, benötigt die Möglichkeit zur Auswahl.

In Herausforderungen hilft es, aus mehren Möglichkeiten auswählen zu können.

In Konflikten, Konfrontationen oder Entscheidungssituationen wird es allgemein als sehr viel angenehmer erlebt, wenn wir aus mehreren Möglichkeiten auswählen können.

Aus Sicht des Supervisors kann ich nur nachdrücklich dazu raten, sich mehrere Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Andernfalls entsteht eine Art “Automatismus” im Handlungsablauf – oft mit einer Tendenz zur Verschärfung oder gar zur Entweder-Oder-Struktur.

Die Freiheit, zu entscheiden, kann auch als anstrengend empfunden werden.

Mit zunehmender Möglichkeit, sich zu entscheiden, entsteht auch eine Art von Entscheidungs-Zwang. Dies kann als anstrengend erlebt werden.

In der Fach-Literatur wird diese Erscheinung auch unter dem Begriff “Modernisierungs-Falle” behandelt:
Weil wir die Wahl-Möglichkeit haben, müssen wir auch entscheiden.
Weil wir entscheiden können, sind wir auch in vollem Umfang für eine vielleicht nicht optimal getroffene Wahl verantwortlich.

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit;
das ist der Grund,
warum die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.

George Bernard Shaw: Das war Bernard Shaw

zitiert nach www.zitate-aphorismen.de

Wie können wir unterscheiden, ob wir uns für mehr Wahlfreiheit oder innerhalb gegebener Rahmenbedingungen mit “kleinerer Freiheit” engagieren wollen?

Im einen Fall werden wir eingeladen, uns gegen rigide oder als unmenschliche empfundene Bedingungen in Gesellschaft und Arbeit zu wehren: wir engagieren uns für mehr Freiheit oder einen höheren Beteiligungsgrad.

Im anderen Fall kann es auch sein, dass wir uns dafür entscheiden (!), Bedingungen zu akzeptieren und – in von irgendwo anders her bestimmten Rahmenbedingungen – den verblieben Spielraum zur Auswahl von Haltungen und Handlungen zu gestalten.

Die Unterscheidung, wann eine Wahl-Möglichkeit unbedingt gefordert werden soll und wann des angemessener und realistischer erscheint, die Rahmenbedingungen zu akzeptieren und innerhalb des Rahmens dann zu gestalten, ist eine schwer wiegende Unterscheidungsfrage und wahrscheinlich nur mit viel Lebens-Erfahrung zu entscheiden.

Supervision und Coaching fördern die Analyse.

Supervision und Coaching sind Gelegenheiten, Situationen gründlich zu betrachten, Faktoren zu beschreiben, Zusammenhänge zu finden und darzustellen.

Sie regen zur Nachdenklichkeit und einer Suchbewegung im Verständnis von Situationen an.
Aus diesen Analysen und Verstehens-Versuchen ergeben sich neue Blickwinkel.

Supervision und Coaching fördern die Fähigkeit, zu unterscheiden.

Die schon beschriebene Frage “Wann ist ein Einsatz für mehr Wahl-Möglichkeiten und wann eine Sich-Einrichten mit den vorgegebenen Rahmenbedingungen sinnvoll?” bedarf in jedem gewichtigen Falle einer sorgfältigen Prüfung, wollen wir nicht zu konformen Pragmatikern, ja Opportunisten werden.

Es gilt einen Standpunkt zu finden zwischen einem fortdauernden, auszehrenden Aufbegehren gegen alles und jeden und einer habitualisierten Anpassung an jede Situation.

Manche wachen Autoren regen an, auch aktuelle Kultur- und Selbst-Techniken sorfältig zu durch-schauen. Sie finden beispielsweise hinter so hilfreichen Instrumenten wie Zeitplanung und Ziel-Management die Verlockung, in “vorauseilendem Gehorsam” schon Selbstbeschneidung und Anpassungsleistung zu vollbringen, die früher strenge Vorgesetzte und wilde Ausbeuter nicht fertig gebracht hätten. (Stichwort “Gouvernementalität”, z.B. in: Bröckling, Krasmann, Lemke: Gouvernementalität in der Gegenwart. suhrkamp: Frankfurt am Main, 2000)

Supervision und Coaching unterstützt, die Anzahl der Möglichkeiten zu erhöhen.

In Supervision oder Coaching wird häufig nach dem ethischen Imperativ von Heinz von Foerster verfahren:

“Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.”

Der gelernte Physiker und Kybernetiker hat das systemische Denken wesentlich angeregt. So hat er auch regelmäßig darauf verwiesen, wie wesentlich unsere Wahrnehmung für unsere Konstruktionen von Wirklichkeit sind.

Supervision und Coaching begleiten den Auswahlprozess.

Wenn mehrere Möglichkeiten der Haltungen und möglichen Handlungen gefunden sind, wird sinnvollerweise eine Auswahl stattfinden. Diesen Klärungsprozess kann Supervision oder Coaching begleiten.

Supervision und Coaching kann den Umsetzungsprozess nach einer Wahl unterstützen.

Nach der Entscheidung folgt die Aufgabe, diese in Handlungsschritte – auch gegen Widerstände anderer und eigener, älterer Gewohnheiten – umzusetzen.

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Weiterführende Links

Artikel-Reihe zur “Profession der Supervision”.

Diese Reihe wird in loser Folge fortgeführt.

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zuletzt bearbeitet am 21. 12. 2009 / 12:35 Uhr                     zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Schule verbessern (1): im rasanten Wandel

Kurze Zusammenfassung und Gliederung

Die Welt, für die Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studierende gebildet und ausgebildet werden sollen, verändert sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Steigerungsraten sind exponentiell.
Damit werden die Rahmenbedingungen für Schulen, Ausbildungen und Studiengänge extrem unübersichtlich.
Klagen helfen nicht! – Alle Beteiligten sollten sich damit auseinander setzen und produktiv nach Lösungswegen und Lösungen suche.

Positiv gestimmt bleiben und auch positiv formulieren

Mit diesem Artikel beginne ich eine lose Reihe mit gesammelten Ideen und Überlegungen zur Verbesserung der Schulen.

Gejammert und beklagt wird genug über:

  • mangelnde Ausstattung der Schulen und Klassenzimmer
  • die optimierbare Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer
  • fehlende Schlüsselqualifikationen, Grundbildung und auch Erziehung von Schülerinnen und Schülern
  • schlechtes Image der Lehrkräfte und der Schulen, Ausbildungen und Studiengänge

Aus meiner Kenntnis hirnphysiologischer Bedingungen des menschlichen Lernens weiß ich, dass Verneinungen vom Gehirn ignoriert werden. Damit sind Negativ-Aussagen genau nicht produktiv handlungsleitend, sondern sie wirken in die unerwünschte Richtung: Die beklagten Zustände werden in dieser Negativ-Sprache für das Gehirn bestätigt und verfestigt!

Bedenkenswerte Ansätze und gute Praxis wird hier gesammelt und weiter gegeben.

Es gibt eine Menge guter Ideen und bedenkenswerter Ansätze. Manchmal sind sie allerdings etwas versteckt. Manchal wundere ich mich im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, dass diese von ener Quelle oder eine Idee noch nichts erfahren hatten.
Dies war dann zuletzt der Anstoß für diese Reihe: Wenn ich etwas Anregendes finde oder schon kenne, von dem ich annehme, dass diese Idee oder Praxis aufbauende für gute Schulen der Zukunft sein könnte, werde ich davon dieser Reihe “Schule verbessern” berichten.

Shift happens! – Did You Know?

Schon vor über einem Jahr wurde ich auf eine kurze Präsentation aufmerksam: Der US-Amerikaner Karl Fisch hatte in sechs Minuten die immensen Veränderungen in unserer Gesellschaft und die sich in rasantem Tempo verändernden Anforderungen an die zukünftigen Generationen eindrucksvoll zusammen gestellt. – Er gab seiner Präsentation den hintergründig anlautenden Titel “Shift happens!”

Neulich stieß ich wieder darauf und stellte fest, dass es inzwischen mehrere aktualisierte Versionen und auch eine etwas ältere deutsche Version bei Youtube gibt:

Did You Know 3.0 – Shift happens! (by Karl Fisch)


direkt zu Youtube
Das zum zugehörigen Team- und Schul-Entwicklungsprozess gehörendes Blog “Fischbowl” (Dort finden Sie auch den Text der ursprünglichen Power-Point-Präsentation vom August 2006 und Vieles mehr.)

Bei dotSUB.com ist die neueste Version auch zu sehen – mit dem Vorteil, dass man die Untertitel in vielen Sprachen wählen kann. Diesen Tipp fand ich beim Torsten Meyer, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg.

Eine aktualisierte, deutsche Version von März 2009:


direkt zu Youtube
[Ursprünglich entwickelt von Karl Fisch, unterstützt von Scott McLeod. Dann ins Deutsche übersetzt von Bernd Nürnberger und schließlich weiter angepasst in März 2009 von Barry van Setten.]

Weitere Hintergrund-Informationen und Versionen:

Einige bemerkenswerte und herausfordernde Aussagen:

  • Ganz viele Rahmenbedingungen ändern sich in zunehmender Geschwindigkeit. Die Kurve verläuft exponentiell!
  • Die Bevölkerungsanteile der Weltbevölkerung werden sich sicher verschieben.
  • Das verfügbare Wissen wächst rasend schnell und die Zugangsmöglichkeiten für viele Menschen wachsen noch schneller.
  • Durch expotenziell wachsende Medien-Nutzung verändert sich unsere Wahrnehmung der Welt und die Bewertung des Wissens
  • Schließlich können wir annehmen, dass die Anforderungen an erfolgreiche Lernumgebungen sich auch verändert haben.

Nun beginnt die pädagogische Herausforderung

Was bedeutet dieser Wandel für Schülerinnen und Schüler und natürlich auch für Lehrerinnen und Lehrer?
Die Diskussionen haben in manchen Kollegien und Meinungsgruppen und der pädagogischen Theorie begonnen.
Nun sind die Lehrkräfte gefordert, Versuche zu starten, zu erproben und Erfahrungen zu sammeln.

Die Lehrkräfte und die Schule sollen selbst in einen Lernprozess eintreten.
(Mehr dazu bald in einem nächsten Text in dieser Reihe.)

Weitere Tipps und Hinweise und selbstverständlich auch Diskussionsbeiträge sind sehr erwünscht

Wenn Sie Material verfügen

  • über Ausgangspunkt für neue Entwicklungen
  • über erfolgsversprechende Ideen
  • oder gelingende Praxis

bitte ich um einen Hinweis und möchte diese Tipps und Materialien dann gerne wieder hier veröffentlichen.

Auch Kommentare sind mir herzlich willkommen!

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Dieser Beitrag gehört zur Reihe “Schule verbessern”:

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    Zuletzt geändert am 10. September 2009 / 16:05 Uhr                          zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

    Profession Lehrkraft (5): Amoklauf – Was tun wir?

    Zusammenfassung und Gliederung

    Nach dem ersten Schock sind Eltern, Lehrer/innen und Erzieher/innen aufgefordert, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Gespräche in den Gruppen über deren Eindrücke und Bewältigungsversuche sind dringend notwendig.
    Die reflexartige Suche nach Schuldigen führt oft in Sackgassen.
    Wie kann Schule menschlicher gestaltet und Schüler/innen und Lehrkräfte entlastet werden?


    Schock und Angst

    Einen Tag nach einem blutigen Amoklauf eines bisher nicht auffälligen Schülers sind viele schockiert. Andere  haben Angst, weil die Tat nach bisherigem Informationsstand nicht angekündigt war und daher auch nicht voraussehbar war. Da stellen sich viele die Frage: Kann so eine Tat auch an unserer Schule geschehen?

    Material zur ersten Bearbeitung für sich selbst und im Unterricht

    Julia Born von rpi-virtuell.net hat eine Zusammenfassung von Pressemeldungen und hilfreichen Links zur Arbeit zum Thema zusammen gestellt.

    In dieser Linksammlung wird auch auf die Meinung des Kriminalpsychologen Jens Hoffmann von der TU Darmstadt verwiesen, der in einem Interview des Deutschlandradios vom 11. März 2009 Krisenteams an jeder Schule fordert und behauptet, das Gefährdungspotential einschätzen zu können.

    Mir ist wichtig, auf die Notwendigkeit kollegialer Gespräche, Selbstversicherungen und die Entwicklung gemeinsamer Positionen im Kollegium hinzuweisen.

    Auf jeden Fall erscheint mir dringend notwendig, dass in Schulklassen und Oberstufen-Kursen über die Fragen von Umgang mit Frustration, Enttäuschung und gar der Wahrnehmung, dass eine Klassenkameradin oder ein Klassenkamerade an die Grenzen gekommen ist und alleine nicht mehr weiter weiß, gesprochen wird. – Oft ist dies schon ein erster, wichtiger Schritt:  Zu bemerken, dass man mit seinem Gefühl von Ärger und Wut nicht alleine steht. Und – wenn es gut geht – auch noch, dass andere – auch Lehrkräfte – dafür Verständnis aufbringen können.
    Als Religions-Lehrer habe ich hier Möglichkeiten und Frei-Räume, die ich gerne für gewalt-präventive Unterrichts-Inhalte nutze.

    Schule scheint für manche Jugendliche schrecklich zu sein.

    Diese Tat macht meines Erachtens deutlich, dass unsere Schulen für manche Schüler/innen als schrecklich, beschämend, unterdrückerisch und unfair erlebt wird.

    Ich fand dazu ein Youtube-Video von Swiss. In einem Rap wird versucht, das Erleben eines Amokläufers darzustellen:


    direkt zu Youtube


    Für mich stellen sich viele Fragen.
    Manche stelle ich mir immer wieder.
    Zu manchen Fragen habe ich Antwort-Ideen:

    1. Wie können Lehrerinnen und Lehrer ihren Kontakt mit Schülerinnen und Schülern so gestalten, dass möglichst wenig Kränkungen, Erniedrigungen, Abwertungen oder Stigmatisierungen dabei geschehen? -
      Erste Ideen:
      > offen und nach Leistungsstand und Lern-Tempo differenziert unterrichten
      > in arbeitsfähigen Gruppen (bis maximal 25 Personen)
      > methodisch vielgestaltig
      > und mit möglichst hohen Freiheitsgraden
    2. Welche Wege können wir für die Bearbeitung solcher Erfahrungen erfinden, so dass Druck abgebaut werden kann und es nicht zu einem finalen Druck-Abbau in einem Amoklauf kommen muss? -
      Erste Ideen:
      > Ausbau der Beratungsmöglichkeiten in und um die Schule
      > und Ergänzung der Schulteams um sozialpädagogische und psychologische Fachpersonen: – Allerdings kostet Personal Geld. Dafür müssen sich politische Entscheidungsträger entscheiden. Diese können von mündigen Wählerinnen und Wählern darauf angesprochen und dafür motiviert werden. – ehrlicherweise muss man aber dazu sagen: Dann kann dieses Geld nicht an anderer Stelle für andere Zwecke eingesetzt werden.
    3. Wie können wir Schule gestalten, dass Schüler/innen darin Erfolgserlebnisse und nicht Frust erfahren? -
      Erste Ideen:
      Erste Ansätze siehe Frage 1 und weitere Ansätze und Sammlungen bewährter Praktiken gibt es tatsächlich in reformpädagogischen Netzwerken, z. B. dem Archiv der Zukunft.
    4. Wie können Belastungssituationen von Lehrkräften so bearbeitet werden, so dass die den Unterricht gestaltenden Personen selbst in einer nicht aggressiven sondern wertschätzenden Grundstimmung handeln können? -
      Erste Ideen:
      Kollegiale Fallbesprechungsgruppen oder Gruppen-Supervision für Lehrerinnen und Lehrer
    5. Wann werden die für die Schulverwaltungen Verantwortlichen wahrnehmen, dass Schulen oft am Rande der Überlastung oder tatsächlich überlastet den Umgang mit Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht mehr menschlich und produktiv leisten können?
      Stichwort dazu:
      > Die Klassenteiler sind aktuell zu hoch und werden erst zu spät gesenkt.
      > Die Deputat-Belastung ist zu hoch, wenn Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich eine Lern- und Arbeitsbeziehung mit ihren Schülerinnen und Schülern aufbauen und pflegen sollen. (weiter: Kleiner Eindruck in den Alltag des engagierten Lehrers, Kai Winkler.)
      > Die Räume in den Schulen sind oft zu klein, schlecht ausgestattet und oft sind es  zu wenig für sinnvollen und erfolgreichen Unterricht
      Erste Ideen:

      Das sind politische Fragen zur Verteilung von Geldern und entsprechenden Prioritätensetzungen! – Selbst bin ich an dieser Stelle eher resignativ bis sarkastisch:  Ich stelle fest, dass in Sonntagsreden viel Unterstützung versprochen und im politischen Alltagsgeschäft wenig davon umgesetzt wird. Die Lehrkräfte können kaum mehr Druck erzeugen, da sind noch andere Personengruppen gefragt! – Ich rette mich in den kabarettistischen Blick.
    6. Wie werden Lehrer/innen, Schulleitungen und auch die Eltern in ihren Erziehungs- und Bildungsaufgaben unterstützt? -
      Erste Ideen:
      Auch dies kostet voraussehbar Geld. Weiterführende Überlegungen gibt es natürlich auch zu dieser Frage, z.B. in Heft 3/2009 der Zeitschrift Pädagogik zu “Unterstützungssysteme”.
    7. Die Wahrnehmung der Kinder und Jugendlichen wird durch den Umgang mit modernen Medien grundsätzlich verändert und dies wird im Alltag der Familien und Schulen bislang zu oft noch ignoriert.
      Auf jeden Fall wird diese noch nicht produktiv aufgearbeitet. Und ich meine da nicht nur Gewaltspiele. -Die meine ich aber natürlich auch! – So haben Psychologen inzwischen gut erforscht, wie gewalthaltige Computer-Spiele die Tendenz zu Gewaltanwendungen fördern.Auch durch die Dauerpräsenz eines Themas werden möglicherweise der eine oder die andere zu unbedachten Taten eingeladen. Sogenannte “Nachahmungstäter” oder “Trittbrettfahrer/innen” drohen mit Gewalttaten und ängstigen ganze Schulen. Zum Beispiel: Amok-Lauf-Drohung an der Richard-Fehrenbach- und der Walther-Rathenau-Gewerbeschule in Freiburg. Dass die daraufhin veranlassten Einsätze viel Geld kosten und bei Feststellung der Täterschaft auch von diesen Personen bezahlt werden müssen, bedenken sie wahrscheinlich nicht.
      Erste Ideen:
      > Grundsätzlich bitte ich Erziehende über den Nutzungs-Umfang und die Nacharbeit von Medien-Nutzungen mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen nachzudenken.
      >”Elektronische Baby-Sitter” erweisen sich möglicherweise kurzfristig als entlastend. Langfristig haben sie sicher fatale Folgen – für die Einzelperson und für das soziale Klima.
      > Alle für Schule Verantwortlichen werden sich mit dem rasanten Wandel auseinander zu setzen haben: Wir sollten nach neue Antworten auf die neuen Herausforderungen suchen. Die Such-Bewegung um die Video-Präsentation “shift happens” von Karl Fisch kann dazu einen Anstoß gebe.  (Eine deutschsprachige, etwas ältere Version findet Sie auch schon auf Youtube.) – Eine vermutlich neuere englische Version vom Herbst 2008 gibt es auch noch.
      > Eltern von getöteten Schüler/innen planen, eine kirchliche Stiftung «Stiftung gegen Gewalt an Schulen». Durch die Arbeit der Stiftung sollen Schulen in Deutschland sicherer werden, sagte Hardy Schober,
      Vorsitzender des «Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden». Kurzfristige Ziele seien die Veränderung des Waffengesetzes sowie das Verbot von sogenannten Killer-Spielen.

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    Dieser Beitrag gehört zur Reihe “Profession Lehrkraft”:

    Profession Lehrkraft (1): anregen zum selbständigen Lernen
    Profession Lehrkraft (2): Lehrer/innen sollten sich körperlich fitt halten
    Profession Lehrkraft (3): Impulse zur Selbst-Reflexion von Lehrer/innen
    Profession Lehrkraft (4): Unterrichtsstörungen und Chaos im Klassenzimmer begrenzen
    Profession Lehrkraft (5): Amoklauf – Was tun wir?
    Profession Lehrkraft (6): Passende Rhythmen für die Arbeit

    Geplant sind noch:
    Teil 7: Unterstützungsstrukturen für Lehrkräfte
    Teil 8: für die Interessen des Berufsstandes eintreten
    Teil 9: Link- und Material-Liste

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    zuletzt überarbeitet am 19. 02. 2010 / 16:52 Uhr                  zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

    Auch Gene lernen

    Nicht mehr ganz neu,
    aber immer noch spannend und bedeutsam

    Durch einen Blog-Beitrag von Hans-Peter Zimmermann bin ich auf einen GEO-Artikel über Epigenetik aufmerksam gemacht worden. Von der Formbarkeit der “Ablese-Vorgänge” von Genen hatte ich schon in verschiedenen Vorträgen – unter anderem von Prof. Dr. Joachim Bauer (im Rahmen des interdisziplinären psychosomatischen Dienstagskolloquium “Körper – Geist -Seele” an der Uniklinik Freiburg) – gehört. Dieser GEO-Artikel fasst den aktuellen Stand der genetischen Forschung in allgemein verständlichen Sätzen zusammen:

    Je nach Umwelt-Einflüssen wird ein Gen wirksam oder nicht.

    Lange galt als sicher, dass Gene ein ganz tief in unserer Biologie sitzendes Programm darstellen. Man hatte angenommen, dass dieser Teil unserer biologischen  Grundausstattung nicht veränderbar sei.

    Heute wissen wir: Ganz so einfach ist es nicht ist. – Vereinfacht ausgedrückt: An den Genen hängen so genannte “Marker”, die dafür sorgen, ob ein Gen abgelesen und damit wirksam werden kann oder nicht.

    Die neue Erkenntnis:
    Unsere Lebensführung steuert unsere Gene!

    Dies ist eine aufregende Relativierung der bisherigen Annahmen über die festlegende Macht der Gene. Damit wird klar, dass eine gesunde und kluge Lebensführung eine sehr große Bedeutung bekommt.
    Höchstwahrscheinlich begrenzt sich die steuernde Wirkung der Marker nicht nur auf das aktuell lebende Individuum sondern kann auch an die Nachkommen weiter vererbt werden!

    Die bedeutet: Wenn die Eltern gut leben, haben es auch die Kinder – und zwar genetisch bestimmt – besser, weil die “Marker” an den Genen “wie Schalter” dafür sorgen, dass eine positive Lebenseigenschaft ausgelesen werden kann oder eine lebensbehindernde eben nicht.

    Dies bedeutet – soweit ich das verstehe:

    1. Auch unsere genetische Ausstattung kann in gewisser Weise “lernen”.
    2. Die Lebensumstände (Umfeld, Beziehungen und die Angewohnheiten in Wahrnehmungsweisen, Deutungen und Verhalten) wirken sich auf  Ablesevorgänge unserer genetischen Grundausstattung aus.

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    zuletzt bearbeitet: 5. September 2009 / 09:06 Uhr                    zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

    Weder Dressur noch Traum sondern kluge Unterstützung für Schulen

    Prof. Dr. Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen, lässt in der Süddeutschen Zeitung vom 30. September 2008 unter der reißerischen Überschrift “Schluss mit der Dressurschule!” ein Interview von sich veröffentlichen.

    Mit dem Hochschullehrer Prof. Dr. G. Hüther bin ich – ein Lehrer an einer technischen Berufsschule – in Folgendem einig:

    1. “Es ist kein Naturgesetzt, dass Kinder die Lust am Lernen verlieren!”
      Kinder lernen – wie alle Menschen lernen – grundsätzlich unwahrscheinlich viel, nämlich alles, was um sie herum passiert, besonders das Eindrückliche und emotional Bedeutsame. So kann ein Kind gehen, sprechen und zum Beispiel auch die Gestik oder Sprachmelodie der Eltern lernen.
      Unser Gehirn ist genau dafür geschaffen: Es lernt einfach so. – Also lernt das Kind auch die Einstellungen der Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen und natürlich – oft genauso bedeutsam – die Einstellungen aus den Freundeskreisen und den Medien.
    2. Für jedes Lernen ist es auf jeden Fall günstig, wenn die Atmosphäre angenehm und von guten Beziehungen getragen ist.
    3. Purer Druck, Drill oder Dressur, schafft voraussehbar keine guten Lernergebnisse.
      Die für effektives Lernen wesentliche Motivation geht verloren. Motivation ist aber wesentlich, weil sie die Bereitschaft ist, sich zu mühen, es auch gegen Widerstände nochmals zu versuchen. Dies ist für erfolgreiches Lernen, vor allem von größerer Zusammenhänge, aber wesentlich.
    4. Ideal für das Lernen ist es, wenn Menschen sich den Lernstoff und die Ziele selbst aussuchen können.
      Beispielsweise erbringen Kinder und Jugendliche enorme Lern-Leistungen in ihrem Hobby und nur die Hälfte dieser Energie in den traditionellen Schul-Fächern eingesetzt, würde enorme Auswirkungen zeigen!
    5. Auf die vielen Erkenntnisse über Lernen und die dafür notwendige Unterstützung haben viele Schulen noch nicht ausreichend geantwortet.
      Zwar gibt es viele Aufbrüche und auch schon erprobte Konzepte, wie viele reformpädagogische Ansätze, zum Beispiel das Montessori-Konzept mit seinem Ankoppeln an der Neugier und der Selbststeuerungsfähigkeit von Kindern und die Idee der Freiarbeit.
      Aber diese Ideen haben sich noch lange nicht durch die vielen vielen Schulen, deren Kollegien und erst recht nicht in die Verwaltungen verbreitet.
    6. Es gibt viel Änderungs- und Entwicklungsbedarf in den Schulen. Die großen öffentlichen Schulen und die diese steuernde Kultus-Verwaltung tun sich schwer mit konsequenten Reformen. Die Konkurrenz der Privatschulen wird diesen Prozess vielleicht beschleunigen.

    Ich habe Bedenken

    1. bei der Verallgemeinerung: Lernen geht auch in der formalen und für alle Kinder verpflichtenden Schule und es muss nicht von einem Extrem (der Dressur) ins andere (die “Antipädagogik”) gependelt werden. – Oder wollte Herr Prof. Dr. Hüther das so gar nicht behauptet haben?
    2. bei der Verallgemeinerung, dass in einem Unterricht im staatlichen Schulsystem die Kinder überwiegend über- oder unterfordert werden und darum laut und störend werden (müssen).
      Leider muss ich berichten, dass die sehr großen Klassen eine gefährliche Tendenz in diese Richtung wahrscheinlicher machen.
    3. ob mit der eher resignativen Vorhersage der Reform-Unfähigkeit des öffentlichen Schulsystems den Lernchancen der Kinder und Jugendlichen tatsächlich geholfen wird.
      Wir haben ein flächendeckendes, öffentliches Schul-System. Das ist zuerst einmal sinnvoll. Bildung darf nicht an den Geldbeutel der Eltern gekoppelt werden. Eine differenzierte, demokratische und einigermaßen offene Gesellschaft benötigt als Basis eine Grundausbildung aller Bürgerinnen und Bürger.

    Ich schlage vor,

    • diese Diskussion auch zu Ende zu führen und die Konsequenzen zu ziehen, die sich aus den Erkenntnissen moderner Hirn- und Lernforschung ergeben.
      Dabei möchte ich auch gerne, dass wir ehrlich und vorsichtig bleiben: Manche Schlussfolgerungen aus den empirischen Daten ist nicht so eindeutig und zwingend, wie dies auf den ersten Blick (auch der Hochschullehrer) scheinen mag.
    • den staatlichen Schulen und den darin engagierten Lehrkräften etwas zuzutrauen und sie dabei zu unterstützen, ihre Aufgabe zu erfüllen.
    • die Verteilung der Gewichte zu überprüfen und Finanz-Politik und Bildungs-Politik zur Neuverteilung von Geld und Möglichkeiten zu bewegen.
      Lehrerinnen und Lehrer sind ein sehr großer Personenkreis. Wenn an dieser große Gruppe gespart wird, dann hat dies einen sehr bedeutsamen Effekt (in mindestens doppeltem Sinne)!
      Tatsächlich wird diese Personengruppe seit Jahren mit einer Ausweitung der Arbeitszeit bei nahezu gleichbleibenden Bezügen konfrontiert. (Wer jetzt neidisch an die vielen “Ferien” denkt, lese einfach den nächsten Punkt über offensichtlich falsche Bilder und deren dauernde Wiederholung.)
    • das Ansehen von Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern in unserer Gesellschaft behutsam anzuheben und den dummen und schon lange falschen Vorurteilen (auch aus prominentem Munde) entgegen zu treten.
    • den für den Lehrberuf ungeeignete Personen Alternativen zu bietet, damit sie aussteigen können.
    • die Kritische Diskussion um das Wort “kostenneutral” in der Bildungspolitik zu eröffnen, die politisch Verantwortlichen regelmäßig mit ihrer eigenen Programmatik zur Bildung zu konfrontieren und sie (bei den Wahlen) an ihren Taten zu messen.
      Dazu nur ein kleiner, vielleicht aufdeckender Vergleich:
      Niemand käme auf die Idee, den Mitarbeiter/innen in der Produktion in einem Automobilkonzern den Auftrag zu erteilen, ein neues Auto zu entwerfen während sie natürlich weiter die tägliche Produktion gewährleisten. -
      Genau so empfinde ich, wird zur Zeit mit Lehrkräften verfahren: Findet neue pädagogische Wege und Antworten auf neue Herausforderungen! Zeit und Freiraum haben wir dafür leider nicht; dafür haben wir kein Geld!
      Leider habe ich Anlass zu Befürchtungen, dass schon wieder über eine Erhöhung des Arbeitspensums für Lehrkräfte nachgedacht wird. Unter kurzfristigen, finanziellen Gesichtspunkten kann dies sogar sinnvoll erscheinen.
      Und: Wer bitte denkt über langfristigen Folgen nach? Wer denkt zum Beispiel an die Motivation und die Gesundheit der Lehrkräfte? Wer denkt an die kommenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, an die Bürger/innen der nächsten Generationen?

    Ich danke Herrn Prof. Dr. Gerald Hüther für seine provozierenden Aussagen und hoffe, dass diese und auch meine Gedanken – am “Welt-Lehrer-Tag der UN” erdacht – konstruktive Kritik und eine engagierte Diskussion über Schulen, Lehrkräfte und unterstützende Bedingungen für das Lernen der Kinder und Jugendlichen anregen.