Archiv des Autors: Michael Veeser-Dombrowski

Über Michael Veeser-Dombrowski

Michael Veeser-Dombrowski arbeitet als Religions-Lehrer am Richard-Fehrenbach-Gewerbeschul-Zentrum in Freiburg und als freiberuflicher Supervisor und Coach für gelingendes Lernen und Leiten. Er interessiert sich besonders für erfolgreiche Lernprozesse - nicht nur in der Schule: Wie lernen wir gerne aus Erfahrung, wie lernen wir möglichst erfolgreich?

klug Nein sagen (gut leben – 2)

Viele sagen zu schnell “Ja”

Wie im ersten Artikel zur thematischen Artikel-Reihe “gut leben” schon angemerkt, neigen viel Menschen dazu, die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen als ihre eigenen und fühlen sich dabei nicht wohl. -
Zu Recht: Ihre eigenen Bedürfnisse werden untergeordnet oder gar verneint.

Wer allzu lange “Ja” sagt, wo um der eigenen Bedürfnisse willen lieber “Nein!” gesagt werden sollte

  • “explodiert” möglicherweise und wird in der dann sehr heftigen, weil aufgestauten NEIN-Reaktion verletzend oder zumindest sehr unangenehm für das Gegenüber
  • wird belastet oder überlastet
  • wird krank
  • “brennen aus”.

“Nein” zu sagen, erfordert Mut.

Jemandem anderen auf dessen Bedürfnis-Äußerung mit eine Absage zu antworten, erfordert Mut, für die eigenen Bedürfnissen einzustehen und die mögliche Enttäuschung oder auch Eintrübung der Harmonie zu ertragen.

Noch mehr Mut benötigt man, ein bereits ausgesprochenes “Ja” wieder zurück zu nehmen.

Das Recht auf die zweite Chance, NEIN zu sagen.

Mit zunehmendem Alter nehme ich mir auch aus Recht heraus, meine vielleicht schnell gegebene Zusagen in Ruhe zu prüfen und eventuell nochmals zu verändern.

Zugegeben, das ist unangenehm. – Für mich und auch für jene, die bereits ein “Ja” von mir gehört haben und nun damit konfrontiert sind, dass ich es wieder zurücknehme. – Und ich gehe damit auch nicht eil- oder leicht-fertig um. Allermeist aber erntete ich Respekt und Verständnis, wenn ich die Gründe erläuterte.

Sagen Sie klug “Nein”.

Der direkte und konfrontative Weg ist nicht immer der günstige und sinnvolle. Schließlich ist das Ziel eines klugen Neins ja, die eigenen Bedürfnisse und Lebensmöglichkeiten zu schützen und zu fördern und nicht zu verletzten oder gar abzuwerten.

Inzwischen bitte ich bei komplexeren Anfragen um Bedenkzeit und mache mir in der gewonnenen Zeit auch Gedanken über die Form einer möglichen Absage.
Zum Beispiel kann eine bedingte Zu- oder Absage (für einen Teilbereich, für eine bestimmte Zeit, ab einer bestimmten Zeit, mit bestimmten anderen …) oftmals besser aufgenommen werden, als ein klares, trockenes Nein.

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zuletzt bearbeitet am 5.02.2012                 zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

mit sich befreundet (gut leben – 1)

zu anderen sind wir freundlicher

Zu anderen sind wir oftmals freundlicher als zu uns selbst!
Mit ihnen fühlen wir mit und finden das normal.
Das ist gut für ein menschliches und angenehmes Leben miteinander.
Es bleibt die Frage: Warum fühlen wir nicht auch mit uns selbst mit?
(Tatsächlich sind wir uns selbst gegenüber nämlich mehrheitlich eher kritisch, streng oder fordernd eingestellt.)

Ungewohnter Gedanke: “mit sich selbst mitfühlen”

Selbsteinfühlsam – schon das Wort ist sperrig, ungewohnt und fremd.
Und doch ist die Empathie (Mitfühlen) für uns selbst so wichtig.

Sicher empfehle ich hier kein Selbstmitleid.
Es geht nicht darum, sich selbst leid zu tun und sich zu bejammern.

Statt dessen geht es einfach um einen freundlichen Umgang mit sich selbst.
Klingt einfach.

Religion und Philosophie wissen davon schon lange.

Für die Bibelleser noch ein Hinweis: Im Liebesgebot Jesu steht ja auch der zweite Halbsatz:

“Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!”
(Mk 12,31 par.)

Durch Selbstmitgefühl Spielräume erweitern und sich wohl fühlen!

Wenn wir uns selbst gegenüber jenes Mitgefühl aufbringen, wie wir es auch anderen selbstverständlich entgegen bringen, gewinnen wir mehr Entscheidungsspielräume und Lebensräume:
Wir müssen nicht immer fordernd oder streng mit uns sein.

  • Es kann auch einmal Pause und Entspannung geben.
  • Kreativität gelingt genau in einem Wechsel von Spannung und Entspannung . . . .
  • Wir gewinnen mehr Freiheit, weil ein Misslingen nicht mehr so selbstverurteilend beurteilt wird.
  • Schließlich überstehen wir auch Krisen und Scheitern mit Selbstmitgefühl besser und können daraus lernen. (Wer nie scheitert, wird wohl auch nicht klug.)

So wünsche ich uns allen zum Ausklang 2011 und Neustart in 2012 erfolgreiches Gelingen in der inneren Bewegung zur Freundschaft mit uns selbst.

zuletzt bearbeitet am 2.01.2012 / 7:41 Uhr zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

mit Weglassen Ziele fördern (Wandel lernen – 6)

Die Idee der Entgiftung stammt von Peter Drucker

Fredmund Malik greift eine Idee des ideenreichen Denkers über Management auf, der die Notwendigkeit der Entgiftung für alle Lebensformen beobachtete und diese auf Einzelne und Organisationen übertrug.

Regelmäßige Bestandsaufnahme

Der österreichische Management-Denker und Berater Prof. Dr. F. Malik formuliert die entscheidende Frage: “Was von all dem, was wir heute tun, würden wir nicht mehr neu beginnen, wenn wir es nicht schon täten?” – Mag sein, dass Vieles von unseren Tätigkeiten einmal sinnvoll war. Jetzt geht es um die Überprüfung, ob es aktuell noch sinnvoll ist.

Hören Sie auf, “falsche Dinge” zu tun. Entsorgen Sie!

Malik empfiehlt eine konsequente Vorgehensweise. Er macht deutlich, dass es nach der Bestandsaufnahme nicht mehr darum geht, ob ich eine als aktuell nicht mehr sinnvolle Handlung weiter führen werde oder nicht, sondern immer die Frage zu stellen ist, wann ich damit aufhören werden.

Beginnen Sie Veränderungsprozesse mit der Frage nach den Streichungen

Damit geht Malik unkonventionell aber sehr wirksam vor.
Durch die “Entschlackung” oder “Entgiftung” werden bisher gebundene Energien für neue Aufmerksamkeiten und Lernprozesse frei.

Eine gesunde Balance zwischen “Routine und Entwicklung”

Das hat mich angesprochen, weil ich die Tendenz gut kenne, Neues anzupacken – ohne Ausgleich.
Wenn wir Überholtes entsorgen, entsteht neuer Raum und wird Energie wieder frei für Veränderung und Entwicklung.

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zuletzt bearbeitet am 20.01.2012          zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Konferenzen nerven

Es gibt viele schlechte Erfahrungen mit Konferenzen.

Fällt Ihnen bei “Konferenz” auch“Bremsscheibe” ein?

Ein Künstler aus Freiburg hatte mich schon vor Jahren beeindruckt und angeregt:
Er hatte aus Draht eine Konferenz-Gruppe gestaltet. – Der Tisch war aus einer Brems-Scheibe gefertigt.
Er spiegelt die Erfahrung vieler Menschen:
Sie haben keine guten Erinnerungen an diese Arbeitsform: Man sitzt – oft unter Zeitdruck – zusammen und erledigt Aufgaben (informiert werden, Meinung bilden, koordinieren und entscheiden). -

Konferenzen können effektiv gestalten werden und machen sogar Spaß!

Konferenzen werden dann effektiv und gut, wenn

  • sie gut vorzubereitet wurde
  • sie klug moderiert werden
  • ungute Stimmung vermieden wird
  • die Aufgaben sachgerecht und effektiv erledigt werden.

Selbst mag ich gut vorbereitet und effektiv geleitete Konferenzen, weil so notwendige Meinungsbildungen, Absprachen und Entscheidungen sinnvoll bearbeitet werden können.
Leider habe ich auch immer wieder erlebt, dass sinnlos Zeit und Energie von vielen Menschen “verbrannt” wurde, weil unnötige oder nicht gut vorbereitete Konferenzen durchgeführt wurden.

Ich empfehle:

1. Zu klären, ob die Konferenz überhaupt notwendig und angemessen ist.
So können Informationen oft viel angenehmer auf andere Weise (Aushang, Rundbrief oder -mail, Intranet-Information usw.) verteilt werden.
2. Informieren Sie die Teilnehmenden:
Für Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse kann es sinnvoll und notwendig sein, dass die betroffenen Personen sich in einem Raum versammeln.
Informieren Sie die Teilnehmerinne und Teilnehmer vor der Konferenz.

  • über die Themen
  • über die Ziele (Information, Meinungsbildung oder Entscheidung?)
  • über bereits vorhandene Vorinformationen (Geschichte der Frage, frühere Entscheide, Vor-Entscheidungen der Leitung, Modelle)

3. Auch methodische Gedanken sind für die Konferenzvorbereitung sinnvoll:

  • Mit welchem Verfahren soll das Ziel erreicht werden?
  • In welcher Zeit?
  • Mit welcher Moderation? (Sehr entlastend und klärend ist, wenn die Moderation von den inhaltlichen Interessen getrennt handeln kann.)
  • Wie können die Konferenz-Teilnehmer/innen einbezogen werden?
    (Z. B. in die Vorbereitung, durch Sammlung und Gewichtung der Punkte, …)
  • Welche Punkte sind sinnvoll für den Anfang, welche für später?

4. … Ergebnisse zu erreichen und diese auch in einem Ergebnis-Protokoll festzuhalten.

Hilfsmittel zum download

Für Ihre effektive Konferenz-Gestaltung schlage ich Ihnen hier zwei vorbereitete Formen vor und biete diese zum kostenlosen herunterladen (download) an:

  • Formular zur vorbereitenden Sammlung von Tagesordnungspunkten – mit der Aufforderung, sich schon bei der Bennenung von Konferenz-Punkten auch Gedanken über Ziel, Methode, Zeitbedarf und mögliche Moderator/innen zu machen
    (Word-Datei, 26 KB – für Ihre Zwecke angleichbar)

Weitere Hilfen

Wenn Sie als Klassen-Lehrer/in mit Ihren Konferenzen und oder Elternabenden Unterstützungsbedarf haben sollten, könnten Sie sich in einer kollegialen Beratung oder in einer Gruppensupervision unterstützen lassen.

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zuletzt bearbeitet am 23. November 2011 / 20:09 Uhr      zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Kostenlose Vorlage Kalender 2012 – download

2008 wurden wir durch ein Projekt in der Grundschule angeregt, mit unseren Kindern in der ganzen Familie einen persönlichen Kalender selbst zu gestalten.
Dieser Wandkalender mit je einem Gedicht für jeden Monat und einer Kinder-Zeichnung hatte uns ein ganzes Jahr lang immer wieder Freude gemacht. – Jeder Monatswechsel war spannend.

Es lag nahe, diese Geschenkidee weiter zu nutzen.
Und da ich mir nur schonmal die Mühe gemacht hatte, eine Vorlage für Textverarbeitungsprogramme zu erstellen, stelle ich diese seit 2008 regelmäßig zum download bereit.
Viele haben sich daran gefreut.

Darum behalte ich diese Tradition auch dieses Jahr bei und stelle meine Vorlage allen interessierten Besuchern meiner Website zur Verfügung.
Dabei habe ich die christliche Wochentags-Zählung (Beginn mit dem “ersten Tag der Woche”, dem Sonntag) und die Feiertage für Baden-Württemberg, wie sie bei uns in der Familie begangen werden, berücksichtigt.

Die Vorlage als WORD-Datei Kalender_blanko_2012.doc (zum download hier klicken)

Es freut mich, wenn Sie Freude damit haben und anderen Freude machen können.

Vielleicht haben Sie auch Lust, Ihre Erfahrungen mit dieser Vorlage hier in einem Kommentar mitzuteilen.
Darüber würde ich mich freuen.

Viel Spaß wünsche ich Ihnen und den Beschenkten!

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zuletzt bearbeitet am 6.11.2011             zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

Lösung entwickeln – Theorie U (Wandel lernen – 5)

Zusammenfassung

Wenn unsere Bemühungen, eine Aufgabe zu lösen, fortdauernd scheitern,
helfen “mehr vom selben”, also noch mehr Anstrengungen sicher nicht.
Dann ist ein Wechsel der Aufmerksamkeit und des Handlungsansatzes sinnvoll.
Hier wird ein Weg dazu skizziert: “Theorie U” nach Otto Scharmer, MIT.

Aktionsforschung als Hintergrund

Herr Dr. Scharmer lehrt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und untersucht Veränderungsprozesse. Am selben Ort arbeiteten auch schon Kurt Lewin, Peter Senge und Edgar Schein.

Das Neue und Phasziniernde an Otto Schamer und seinem Modell “Theorie U”

Für mich als geistes- und sozialwissenschaftlich Interessierten ist die eigentümliche Sprache und die darin abgebildete Verbindung ganz unterschiedlicher Zugänge eröffnend:
Es geht zum Beispiel um

  • Öffnung des Denkens, Fühlens und des Willens
  • Reflexion unserer Wahrnehmungsart
  • Mitgefühl (Empathie)
  • Kontext-Erweiterung über die “Öffnung des Herzens” (Liebe)
  • Anwesenheit und Fühlen (presencing)
  • den Kontrollverlust wagen
  • Stille aushalten
  • kollektive Interessen erspüren
  • die konkrete kreative Gestaltung in Versuchshandlungen (und damit Lernen in Aktion)

Einführende Darstellung von Theorie U

In einer kurzen Einführung (11 Minuten Clip) stellt Bernd Oestereich das Modell für Veränderungen anschaulich und verständlich dar:

Herzlichen Dank an Bernd Oestereich für die Anregung und die Zusammenfassung.

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zuletzt überarbeitet am 2.11.2011 / 13:58 Uhr           zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht