guter Unterricht (Profession Lehrkraft – 13)

Kurzfassung

Wann wird ein Unterricht gelingen?
Wann werden Kompetenzen gefördert und die wesentlichen Grundkenntnisse vermittelt?

In der zweiten Woche des Online-Kurses OpenReli haben die Teilnehmenden die Aufgabe, Kriterien für guten Unterricht zu formulieren.

Eine sehr grundsätzliche und große Frage

In meiner Antwort stelle ich zuerst meine grundsätzliche Vorstellung von Unterricht vor und leite dann Kriterien für das Gelingen daraus ab.

Meine Vorstellung von gutem Unterricht in einer Mindmap

Ein Klick auf das Bild sollte eine größere und besser lesbare Version ergeben.

2013_10_guter_Unterricht

Daraus abgeleitete zwölf Kriterien für guten Unterricht

  1. Die Lehrkraft hat eine gute Arbeitsbeziehung mit der Lerngruppe angebahnt: Die Schülerinnen und Schüler kennen den Rahmen, die Regeln und haben ein Grundvertrauen in die Situation.
  2. Die Lehrperson ist fachwissenschaftlich gut ausgebildet, verfügt also über einen Überblick über den Lernstoff.
  3. Sie hat Lern-Inhalte (abstimmt mit dem Bildungsplan) ausgewählt und kann diese Auswahl begründen.
  4. Die Lehrerin/der Lehrer hat sich (im Laufe der Unterrichtseinheit mehrere und vielfältige) methodische Ideen für die Unterrichtseinheit überlegt und diese vorbereitet.
  5. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Interessen und Ziele für den Unterricht.
  6. Sie lassen sich aus Müdigkeit und Unlust in eine Beschäftigung mit dem Thema einladen.
  7. Sie können sich in die unterschiedlichen Unterrichtsformen einfinden und produktiv mitarbeiten.
  8. Sie formulieren immer wieder Zwischenstände, wie Ergebnisse und offene Frage oder Interessen.
  9. Sie reflektieren über den Unterricht (Inhalt, Methode, Erträge) und tauschen diese Reflexionen untereinander und mit der Lehrkraft aus.
  10. Sie erreichen mindestens die Hälfte ihrer zu Beginn des Unterrichts festgelegten, individuellen „Erfolgs-Kriterien“.
  11. Schülerinnen und Schüler und die Lehrkraft kommen am Schluss des Unterrichts zur gemeinsamen Bewertung, dass der Unterricht erfolgreich war.
  12. Die Lehrkraft hat aus dem Unterricht auch selbst wieder etwas dazu gelernt und nimmt diesen Ertrag als Anstoß für die Weiterentwicklung von Unterrichtskonzept und Unterrichtsgestaltung.

Über Rückmeldungen und eine Diskussion freuen ich mich.

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zuletzt leicht bearbeitet am 25.10.2016 / 11:20 Uhr      zur druckerfreundlichen Ansicht zur druckerfreundlichen Ansicht

3 Kommentare

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  1. […] auf einige Kriterien, die Michael Veeser-Dombrowski auf seiner Seite näher erläutert (http://www.veeser-dombrowski.de/index.php/2013/10/14/schule-und-unterricht/guter-unterricht-professi…). An diesen Kriterien möchte ich später auch die Erfahrung guten Unterrichts festmachen. […]

  2. Lieber Kollege Günther,
    herzlichen Dank für den Diskussionsbeitrag.
    Das Verfahren, „vom Ende her zu planen“ und weitere Formen der Kompetenzen-Evaluation zu erproben, sind mir sympathisch.

  3. Danke für den engagierten Beitrag, der mich zu einer längeren Überlegung animierte:

    Vom Unterrichten her komme ich vom entgegengesetzten Ende der Schule, dh aus dem Grundschulbereich. Kann sein, dass ich deswegen einen völlig anderen Ansatz verfolge. Es wäre mir kaum möglich, meinen Unterricht einem Kriterienkatalog von 10 oder mehr Punkten anzupassen. Würde mich wohl auch von meiner Lerngruppe ablenken.
    Ich gehe lieber sequentiell vor: Das Neue, was ich vom k.o.-RU gelernt habe, ist, vorher zu fragen:
    (1) Was für welche Christenmenschen sollen aus meinem RU (nach der 4. Klasse) herauskommen? Welchen Herausforderungen sollen sie gewachsen sein?
    Diese Frage lässt sich nicht einheitlich beantworten, da meine SchülerInnen ganz verschiedene Kompetenzen mitbringen. So habe ich viele deutschrussische, pfingstlerische SchülerInnen in meinen Lerngruppen, die ein umfanreiches Bibelwissen besitzen, das aber ganz unkritisch und dogmatisch vermittelt wurde. Diesen SchülerInnen will ich ein kritischeres, reflektierteres Verständnis ihrer Überlieferungen und einen Zugang ad fontes (dh zur Bibellektüre) ermöglichen. Andere Schüler besitzen überhaupt kein Bibelwissen, haben dafür aber um so weniger Probleme, Überlieferungen/Wundergeschichten o.ä. kritisch zu hinterfragen. Diesen SchülerInnen möchte ich zumindest einige Basics christlicher Sozialisation mitgeben. Alle zusammen sollen sie an der weiterführenden Schule das nötige Selbstbewusstsein und Handwerkszeug besitzen, um das Fach Religion möglichst „als Heimspiel“ zu meistern (um mal eine wichtige Kompetenz herauszupicken).

    Die zweite Frage schließt an die erste oben an:

    (2) Welche Bedeutung haben die kommenden Herausforderungen für die SchülerInnen?
    Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wie stark sich die SchülerInnen mit dem RU und vor allem mit ihrem Glauben identifizieren: Erkennen sie im Christentum überhaupt eine relevante Möglichkeit, Anforderungen zu meistern?
    Setzen sie zB erlernte Problemlösungsansätze (etwa die Goldene Regel) im praktischen Leben ein? etc.
    Ich erlebe es im Grundschulunterricht relativ oft, dass dem Fach Religion eine seltsam aufklärerische Wirkung zukommt. Da werden Tabuthemen angesprochen, und hübsche Legenden aus der Bibel erhalten mitunter eine geradezu schockierende Lebensnähe. Ich bin zufrieden, wenn die Schüler erfasst haben, dass es keine Lebensfrage gibt, die man im religiösen Bereich ausklammern muss.
    Außerdem sind hier viele Dinge zu erwähnen, die du oben als Kriterien genannt hast: Die SchülerInnen haben ein positives Verhältnis zum RU, sind Subjekte des Lernens, arbeiten gerne mit und können kreativ und gestaltend tätig werden. So wird „Reli“ zu ihrer ganz persönlichen Angelegenheit.

    Um (2) angemessen beantworten zu können, muss auch die folgende Frage geklärt sein:

    (3) Welche Kompetenzen bringen die SchülerInnen schon mit?
    Siehe oben, Pfingstlerkinder und andere. Generell ergibt sich für mich die Regel: Je heterogener die Lerngruppe, desto schwieriger wird k.o.Unterricht. Am allerschwierigsten, zT gar nicht mehr zu leisten, wird er in einer Inklusionslerngruppe.

    Die folgende Frage hat viel mit der ersten zu tun und wurde im darunterstehenden Beispiel schon ansatzweise beantwortet:

    (4) Welche Kompetenzen benötigen die Schüler, um die in (1) angesprochenen Anforderungssituationen zu meistern?
    Da gibt es beispielsweise eine schöne, „echte“ Kompetenz, die für die Lektüre „ad fontes“ erforderlich ist: Die SchülerInnen müssen Bibelstellen nachschlagen können.

    Frage (5) ergibt sich aus (3) und (4): Welche Lernprozesse / Schitte / Methoden / Sozialformen etc sind nötig, um, ausgehend von den vorhandenen Kompetenzen, die erforderlichen zu erwerben?
    Dann erst beginnt die eigentliche Unterrichtsplanung, und was diese betrifft, kann man auf vieles zurückgreifen, was sich schon vor der Kompetenzorientierung als bewährt bewiesen hatte. Weniger die Einzelansichten werden neu, sondern vielmehr die Gesamtansicht: Schülerzentrierter, offener, an Anforderungen orientiert, mit einem Höchstmaß an Schüler-Selbstverantwortung ausgestattet. Denn wo von mir als Schüler nichts abhängt, gibt es auch nichts zu lernen.
    Nach meiner Erfahrung mit Lehrern besteht in dieser Aspektverschiebung der am schwersten umzusetzende Teil der Kompetenzorientierung.

    Die letzte Frage bezieht sich auf das Feedback, die Evaluation:

    (6) Wie kann überprüft werden, ob die Kompetenzen tatsächlich erworben wurden?
    Am sinnvollsten natürlich dadurch, dass man seine SchülerInnen in die in (1) angepeilte Anforderungssituation bugsiert und schaut, was passiert.
    Traditionelle Methoden der Leistungsüberprüfung leisten im Grunde nur einen minimalen Beitrag, weil ihnen „das Leben“ fehlt. Je nach Inhalt sind Praxisprojekte, Performances, Disputationen, Schüler-Filme ungleich ergiebigere Kompetenznachweise.
    Aber diese Kultur kompetenzorienterter Evaluation steckt noch in den Kinderschuhen.

    Soweit mal mein „anderer Ansatz aus der gegenüberliegenden Ecke“.

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